Question: Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

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Dezember 1939 in Pratteln Kanton Baselland, Schweiz. Sohn des Obergerichtsschreibers und späteren basellandschaftlichen Strafgerichtspräsidenten Georg Feigenwinter und der Stadtbaslerin Elisabeth Lichtenhahn. Bruder der Schriftstellerin Adelheid Duvanel-Feigenwinter. Während über zwanzig Jahren hauptberuflich journalistisch tätig, zuerst während über zehn Jahren frei schaffend, anschliessend während zehn Jahren als festangestellter Redaktor. Gymnaestrada in der Baslerhalle der Schweizer Mustermesse am 25.

Juni 1969 eröffnet und anschliessend als Wanderausstellung in mehreren europäischen Ländern gezeigt wurde. Peter von Matt für seine Selektion verwertete. In den 1970er Jahren versuchten Repräsentanten politischer Parteien vergeblich, mich einzuspannen. Als Journalist hatte ich aufklärerisch gewirkt, z. Ich schrieb Artikel gegen den Bau des Atomkraftwerks Kaiseraugst, setzte mich für die Besserstellung alleinstehender Mütter und ihrer Kinder ein.

Aber nach wie vor hinterfrage ich ideologische Phrasen und plappere keine Parteiparolen nach — ich bleibe skeptisch und kritisch. Felix Feigenwinter, Basel, im Mai 2014 Journalistische Nachtarbeit in den frühen Sechzigerjahren Bild unten: Nachtarbeit in der Dachkammer, eine Normalität im Leben des freien Journalisten. Der Bericht über eine Abendveranstaltung musste im Morgenblatt erscheinen und deshalb bis zum Redaktionsschluss um fünf Uhr früh geschrieben und abgeliefert sein.

Schon nach sechs Uhr war dann der Artikel im druckfrischen Morgenblatt zu lesen. Und der neue Arbeitstag begann oft noch am selben Morgen mit einer Presseorientierung irgendwo in der Stadt oder auf dem Land. Die Übergänge zwischen Tag- und Nachtarbeit waren fliessend.

Nicht berücksichtigt ist sodann eine riesige Anzahl von Interviews mit Grossrats- Landrats- Nationalrats- Ständerats- und Regierungsratskandidaten, die ich jeweils vor den Wahlen produzierte Ausnahmen: die Interviews mit den Basler Regierungsratskandidaten Helmut Hubacher und Hansjörg Hofer aus dem Jahr 1976.

Auch umfangreiche Reportage-Serien wie z. Ich erinnere mich, dass mir die Basler Nachrichten in der ersten Hälfte der Sechzigerjahre für eine sogenannte Dorfreportage sage und schreibe vierzig Wo werden Richter Schuhe hergestellt? bezahlten. Mein Aufwand: in der Regel zwei Arbeitstage - fast ein ganzer Tag in der betreffenden Ortschaft mit Interviews z. Natürlich, der Frankenwert war damals mehrfach höher als heute. Trotzdem freute ich mich fürstlich - ich genoss meinen Status als freier kreativer Schreiber, liebte meine Arbeit.

September 2016: Markus Somms Wahlkampf-Kritik und Christoph Eymanns Widerworte haben das am Rheinknie seit Jahrzehnten in Schnitzelbängg sowie im Bereich Fussball schwelende und gepflegte Rivalitätsverhältnis zwischen Basel und Zürich auf politischer Ebene befeuert. Wenn sie Erfolg haben, zeigen sie es unverblümt — was man in Basel nicht tut. In Basel macht man oft auf Understatement, in Zürich zeigt man eher, was man hat und kann. Diese komme am Zürcher Sechseläuten im Vergleich zur Basler Fasnacht schon etwas zu kurz.

Er sagte das am Mittwoch an der Pressekonferenz zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia. Dies als Begründung, weshalb er die Zeitung nicht auf der nationalen Bühne verankern konnte. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch sein Eingeständnis vor versammelter BaZ-Redaktion, es sei wohl ein Fehler gewesen, die Zeitung zu übernehmen.

Blocher wurde nie warm in Basel. Das liess er immer wieder mal durchblicken. Weil die Region tatsächlich nicht seinem Schweiz-Bild entspricht. Dass manche der hier versammelten Schätze aus 700 Jahren europäischer Kunstgeschichte im Besitz von privaten Stiftungen sind, etwa die hochkarätigen Leihgaben aus der Rudolf-Staechelin-Sammlung, beeinträchtigte meine Begeisterung nicht.

Doch dann die ernüchternde Meldung, dass ausgerechnet die repräsentativsten Bilder der impressionistischen und nachimpressionistischen Meister aus dem Museumsangebot verschwinden sollen, weil der Staechelin-Family Trust über sein Eigentum anders verfügen will… Ein Schock für viele Kunstliebhaber, wie mir Gespräche mit anderen Museumsbesuchern bestätigten, die zum Teil gar unverhohlene Wut über den vermuteten fehlenden Einsatz der des politisch Verantwortlichen ausdrückten… Aber nun dies: Die Wahl des Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

neuen Museumsdirektors Josef Helfenstein nomen omen est? Da kann sich auch der als Kulturminister umstrittene Guy Morin in neuem Glanz sonnen.

Cueni vermutet den Erfolg der von ihm vermissten Autoren als Ausschlusskriterium — ein Verdacht, den ich nicht teile, denn in Linsmayers Buch sind auch Bestsellerautoren vertreten.

Linsmayer Inkompetenz zu unterstellen, wäre sicher abwegig, aber die Frage nach der Absicht bleibt offen. Martina Kuoni sei gedankt für ihr aufmerksames und subtiles Gedenken anlässlich des 80. Geburtstags der in Pratteln und Liestal aufgewachsenen Basler Luchterhand-Autorin Adelheid Duvanel 1936-1996. Ergänzend sei daran erinnert, dass die ebenso aussenseiterische wie bemerkenswerte Schriftstellerin zuerst im Ausland etablierte Anerkennung fand 1984 mit dem Kranichsteiner Literaturpreisbevor sie in ihrem Heimatland entsprechend geehrt wurde 1987 mit dem Basler Literaturpreis, 1988 mit dem Gesamtwerkspreis der Schweizer Schillerstiftung und 1995 mit dem Gastpreis der Stadt Bern.

In seinen Büchern «Die tintenblauen Eidgenossen» 2001 und Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Kalb vor der Gotthardpost» 2012 reflektierte der Literaturprofessor Wo werden Richter Schuhe hergestellt? von Matt postum über die eigenwilligen Geschichten dieser besonderen Repräsentantin der Schweizer Literatur aus der zweiten Hälfte des 20.

Gallen, wo die Museumsleiterin Dr. Monika Jagfeld das in Basel ignorierte Werk kompetent analysierte. Gallen, mit Bildern und Texten der Malerin und Schriftstellerin Adelheid Duvanel-Feigenwinter und einer umfassenden und fundierten Analyse von Kuratorin Dr. Baron von Hirsch war Jude und musste 1933 aus seiner Heimatstadt Frankfurt vor den Nazis nach Basel fliehen, wo er sich an der Engelgasse niederliess.

Aus Dankbarkeit habe der 1977 94jährig verstorbene Wahlbasler seinen wertvollen Kunstschatz der Stadt Basel vermachen wollen — unter gewissen Bedingungen, war zu erfahren. Aber Basler Instanzen hätten diese Chance vermasselt.

Im Juni 1978 wird die Sammlung in London versteigert. Alibi-Übung Von Felix Feigenwinter Auf den ersten Blick scheint die Situation verworren. Das Referendum, das gegen den Grossrats-Beschluss ergriffen worden war, konnte es nicht verhindern: Mit grossem Mehr sanktionierte das Basler Stimmvolk den ebenso grosszügigen wie kunstfreundlichen Parlamentsentscheid.

Die Stadt Basel, deren Kunstmuseum schon lange vorher auch ohne Picasso Weltruhm genoss, wurde in der Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Presse mit Lorbeeren bedacht. Ihrer reichhaltigen, vor allem von einzelnen Kunstliebhabern und -sachverständigen zusammengetragenen und bewahrten Kunstsammlung aus dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hatten sich die Basler damals, in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre, als würdig erwiesen.

Das Basler Volk, so schien es, hatte das damals begriffen. Die im Besitz von Basel befindlichen Picasso-Helgen bilden heute zusammen mit den spätmittelalterlichen Werken aus dem Amerbach-Kabinett, den Sammlungen aus dem 17.

Jahrhundert sowie mit dem alle wichtigen Stilrichtungen aus der ersten Hälfte des 20. Hatte die Basler Bevölkerung einen grundlegenden Sinneswandel durchgemacht? Gäbe das nicht eine bequeme Entschuldigung ab für die Unterlassungssünde, nicht mit aller Kraft und Entschiedenheit das von Robert Hirsch offenbar wiederholt in Aussicht gestellte Vermächtnis ermöglicht zu haben?

Ob in richtiger oder falscher Einschätzung der tatsächlichen Werte der Arbeiten dieser drei verschiedenen Kunstschaffenden bleibe hier dahingestellt weil diese Frage ohnehin erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

zuverlässig beantwortet werden kann. Als Beauftragte einer demokratischen Ö ffentlichkeit hätten jene Leute, die sich offensichtlich viel zu wenig — oder jedenfalls zu wenig flexibel - um das von Robert von Hirsch ursprünglich beabsichtigte Legat bemüht hatten, die differenzierte Ausgangslage besser berücksichtigen müssen, unabhängig von persönlichen Aversionen. Das wäre sogar als Ausrede zu billig. Die nachträgliche Aktion, die gegenwärtig Basel mit drei Steuer-Millionen an der Versteigerung der von Hirsch-Sammlung in London wenigstens einen kleinen symbolischen Teil des davongeschwommenen Legats sicherstellen soll, entpuppt sich als eine nach allem Vorangegangenen äusserst peinliche Alibi-Übung.

Als Vorbild wird sie in die an mutigen und verdienstvollen Rettungsaktionen so reiche Geschichte der öffentlichen Basler Kunstsammlung jedenfalls nicht eingehen können. Für Angehörige der älteren Generation, die den Bau der ersten A-Werke erlebt haben und am demokratischen Widerstand dagegen beteiligt waren, ist es absurd, zu hören, man sei nach Fukushima klüger. Bereits in den Sechzigerjahren hat z. April 2011 Was bisherige sogenannte Störfälle in anderen Atomkraftwerken bisher nicht bewirkt haben, scheinen die beängstigenden Vorkommnisse in Fukushima zu spät zu festigen, nämlich die Einsicht, dass diese Technologie keineswegs hundertprozentig beherrschbar ist, also ein Risiko besteht, das angesichts der Freisetzung radioaktiver Strahlung und Jahrtausende lang tödlich strahlender Abfälle, deren Endlagerung nirgendwo gesichert ist menschliche Kontrollmöglichkeiten und Kompetenzen offensichtlich Wo werden Richter Schuhe hergestellt?.

Die Weichen wurden vor Jahrzehnten falsch gestellt. Die eindringlichen Warnungen von Atomkraftwerk-Gegnern wie dem 1993 verstorbenen Physiker und Technokratiekritiker Max Thürkauf, deren Berechtigung sich nun drastisch und wiederholt! Der Presse- und Informationsdienst des Zivilschutzbundes orientiert uns, um was es hier geht: Der Gedanke eines Unfalls mit Kernwaffen dürfe nicht von der Hand gewiesen werden.

Die bereits bekannten Fälle von Palomares und Thule vom 17. Januar 1966 und vom 21. Januar 1968 würden belegen, dass mit solchen Möglichkeiten leider gerechnet werden müsse. Merkwürdigerweise ist von einer Atomkatastrophe mitten im Frieden die Rede - will sagen von einem Unfall, nicht von den Folgen eines gezielten militärischen Einsatzes.

Sympathischerweise braucht man also nicht an einen Krieg zu denken. Dass uns der sogenannte Friede heute fast ebenso bedroht wie der Krieg, muss man annehmen, denn unser Zivilschutz sähe sich bei einem Atomunglück über dem ach so fernen Mittelmeer mitten im Frieden! Welch düsterer Frieden: Der Unfall über dem Mittelmeer könnte bewirken, dass auch auf unser Land radioaktiver Staub fällt und die gefährliche Strahlung uns zwingt, unseren Alltag zu unterbrechen.

So schonungsvoll erklärt es uns der Zivilschutzbund. Warum dieser für seinen Film aber nicht ein viel naheliegenderes Beispiel gewählt hat: Den Unfall eines schweizerischen Atomkraftwerkes?

Vielleicht darum nicht, weil Schonung Not tut: Weil das Aufzeigen der Gefahrenquelle im eigenen Land vermehrt die unangenehme Einsicht zur schonungslosen Folge haben würde, dass auch die friedliche Verwendung der Atomenergie zur Katastrophe führen kann? Das wäre dem in gewissen Kreisen sorgsam gehätschelten Ruf der friedlichen Nutzung der Atomenergie in der Tat abträglich. Ob kriegerisch oder friedlich bestrahlt - die Bestrahlten werden sich für diesen feinen Unterschied allerdings kaum mehr interessieren.

Dabei ging ich von der Erfahrung aus, dass sich Frauen in den traditionellen Männerparteien aus verschiedenen Gründen nur schwer durchsetzen können und dabei auch in den Parlamenten im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Anteil an der Bevölkerung stark untervertreten sind.

Dass dies nicht nur auf die fehlende Unterstützung der weiblichen Kandidaten durch die weiblichen und männlichen Wähler zurückzuführen ist, sondern auch schon durch die relativ Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Kandidaten-Auslese in den meisten Parteien, zeigen übrigens gerade jetzt wieder die Baselbieter Regierungs- und Landratswahlen. Während unter den acht offiziellen Kandidaten Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

einen der fünf Regierungsratssitze überhaupt nur Männer zu finden sind, ist der Anteil der Frauen unter den 519 Landratskandidaten verhältnismäßig sehr gering — jedenfalls entspricht er mitnichten dem weiblichen Bevölkerungsanteil. Aus weiblicher Sicht sieht die Sache noch etwas anders aus.

Trotzdem: eine Frauen-Partei scheint mir die einzige Möglichkeit, um mindestens jenen Frauen, welche sich aktiv und eigenständig an der Gestaltung des öffentlichen Lebens beteiligen wollen, eine sinnvolle Alternative zu bieten. Und somit, um der Idee der soviel zitierten und so wenig praktizierten Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen und in unserer politischen Landschaft vermehrt auch — so meine ich: in mancher Beziehung heilsame und belebende — weibliche Impulse einwirken zu lassen.

Und eine Leserin machte darauf aufmerksam, dass die Idee für eine Frauen-Partei seit Jahren auch in den schweizerischen Frauenorganisationen diskutiert würde — bisher allerdings ohne greifbaren Erfolg. Februar erwähnte — ohne sich dabei festzulegen — die Präsidentin des Schweizerischen Frauenkongresses, Dr.

Der Schrei stammt interessanterweise von einer Frau. Wie wäre es mit 1976? Vielleicht dies: Es ist immer leicht, Individuen oder Gruppen, die um ihre Rechte kämpfen, als lächerlich hinzustellen - besonders dann, wenn sie mehr oder weniger rechtlos einer starken, die Macht verkörpernden Mehrheit gegenüberstehen. Recht zur Formulierung ihres Unbehagens zuzugestehen. Dies umso weniger, als es diesen Frauen vorher jahre- und jahrzehntelang verwehrt blieb, ihre Anliegen wirksam vorzubringen.

Si kämpfe gege's Wo werden Richter Schuhe hergestellt? G'schlächt - solang's so blybt - hänn d'Männer rächt!

Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Von uniformen Männern und uniformierten Frauen Weil Frauen in unserem Land ein unverkrampftes Verhältnis zur politischen Macht haben, geraten weibliche Auftritte auf der politischen Bühne zuweilen unbefangener als die der Männer. Seit Einführung des Frauenstimmrechts ist eidgenössische Politik lebhafter, ja irgendwie auch fröhlicher geworden. Diese spontane Natürlichkeit führte auch schon zu innerparteilichen Konfrontationen, die schlimmstenfalls mit Parteiaustritten endeten.

Aber so schlimm ist das auch wieder nicht: Die betreffenden Frauen politisieren in der Regel nämlich weiter — oft noch unabhängiger, individualistischer als zuvor. So ist dafür gesorgt, dass das Schweizer Polittheater nicht allzu eintönig wird.

August 1985 im Walliser Bergdorf Unterbäch jedoch war, genau besehen, eine Pioniertat, zu der sich ein männlicher Justizminister vermutlich nie durchgerungen hätte. Indem Elisabeth Kopp an jenem Sonntag das Ehrenbürgerrecht von Unterbäch entgegennahm, segnete sie nämlich gleichsam das rebellische Verhalten dieser Gemeinde vor 28 Jahren ab.

Der Unterbächer Gemeinderat hatte sich damals über das geltende Bundesgesetz hinweggesetzt: Für den eidgenössischen Urnengang über die Einführung des obligatorischen Zivilschutzdienstes für Frauen vom 3. März 1957 gestattete er auch den Betroffenen selbst, an die Urne zu gehen — dies 13 Jahre vor Einführung des Frauenstimmrechts!

Aber trotz des Verbots des Staatsrates, die Frauen in gesetzwidriger Art abstimmen zu lassen, schritten 33 der damals 84 erwachsenen Unterbächerinnen an die — separat aufgestellte — Frauenurne. Am dritten Augustsonntag 1985 nun haben die Unterbächer dieses revolutionären Ereignisses gedacht, und mit ihrer Anwesenheit hat die höchste Justidirektorin die frühere Haltung des Bundes unmissverständlich desavouiert.

Sie erinnerte daran, wie fragwürdig ein Gesetz doch eigentlich ist, das ein Menschenrecht wie eben das Frauenstimmrecht verbietet. Auch — oder gerade — in einem Rechtsstaat. Laut Weisung des Generals war an die dienstleistenden Frauen lediglich die eidgenössische Armbinde abzugeben. Weil sich der General vorerst nicht erweichen liess, schufen sie sich das feldgraue Einheitskleid dann halt selber, und zwar mit eigener Handarbeit, entgegen der Weisung des Generals.

Wie wohltuend, dieses fundierte Bekenntnis zur Meinungsfreiheit - mitsamt der geäusserten Kritik! Vielleicht auch eine Folge des langjährigen Presse-Schrumpfungsprozesses - von einst vier abonnierbaren Stadtbasler Tageszeitungen zum Monopolmeinungsblatt BaZ?

Peter hat präzise Arbeit geleistet. Inzwischen scheint sich die ihm zugedachte Aufgabe auf dem Chefredaktorensessel erfüllt zu haben. Die seit Anfang unter Profilmangel, geistiger Orientierungslosigkeit sowie formaler und inhaltlicher Aufgeblasenheit leidende Zeitungs-Konstruktion benötigt eine neue Galionsfigur, eine durch die Fusion unbefleckte, schöpferische und starke Persönlichkeit.

Als gegenwärtiger Direktor von Radio und Fernsehen der deutschen und rätoromanischen Schweiz strahlt er auch jenen Glanz von Prominenz und Integrität aus, der als Voraussetzung günstig erscheinen mag, das Image eines um seine Anerkennung kämpfenden Zeitungsriesen aufzupolieren. Mit dieser Überlegung sei nicht Lokalchauvinismus angesprochen, sondern die je länger desto quälendere Sorge um eine eigenständige, demokratische Regionalpresse ausgedrückt.

Sie lässt auch weiterhin nichts Wo werden Richter Schuhe hergestellt? erwarten. Dass einzelne Presse-Leute zu Marionetten-Figuren degradiert werden, ist zwar so ungewöhnlich nicht.

Dass sich innerhalb eines Zeitungs-Riesen mit über vierzig zeichnenden Redaktoren keine von diesen zur Wehr setzen können, ist jedoch - aus der Sicht Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Journalisten und letztlich einer demokratischen Wo werden Richter Schuhe hergestellt? - ganz einfach skandalös. Die Frage bleibt, ob der neue Chefredaktor dieses bedrückende, die demokratische Informationsfreiheit nicht mehr gewährleistende Betriebsklima verbessern darf, will oder kann.

Erschienen im doppelstab am 1. Ist dies das Verständnis von der Informationsaufgabe, der Rolle der Medien in einer offenen demokratischen Gesellschaft? Unterdrückung und Vertuschung von Fakten von öffentlichem Interesse, also unverhohlene Meinungsmanipulation? Der nächste Schritt auf dem Weg zur Meinungsdiktatur, das heisst Bevormundung der Leser und Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, wäre, das Äussern von Angst vor Gewalttaten zu verbieten bzw.

So würden die Opfer zu Tätern, wenn sie ihrer Angst Ausdruck geben, und die Täter wären die Opfer. Gewisse Ideologen scheinen solche Begriffs- und Rechtsverdrehungen im Rahmen eines Bewusstseinsänderungsprogramms beschlossen zu haben. Grossrat Daniel Goepfert hat angeblich einen Schritt gewagt, die Kuh vom Eis zu bringen — was sich als Scheinmanöver erweisen dürfte.

Geht es ihm doch nicht primär um Gewaltopfer, sondern um den vielbeschworenen Fremdenhass. Das von Polizeisprecher Klaus Mannhart erwähnte Franklin-Zitat scheint mir in diesem Kontext wenig hilfreich, es bietet sich als beliebige Ausrede für politisches Nichtstun an und lässt sich umkehren: Wer die Sicherheit aufgibt, verliert am Ende auch die Freiheit. Toleranz gegenüber Intoleranz und Gewalt ist immer kontraproduktiv, denn das Zulassen von Gewalttaten brutalisiert die Gesellschaft und führt zur Kapitulation des Rechtsstaates.

Eine der Willkür von gewalttätigen Individuen und Gruppen ausgelieferte Gesellschaft wäre nicht weniger inhuman als ein diktatorischer Polizeistaat. Tatsächlich scheint Breivik die Terroranschläge muslimischer Gotteskrieger nachgeahmt zu haben - inhaltlich mit umgekehrten Vorzeichen. Johnsons Betrachtung erscheint mir aber unzulänglich, wenn sie den Einfluss von Ideologie und Religion, auf die sich solche Attentäter berufen, zu bagatellisieren versucht.

Dass es zwischen Religionen grundlegende und prägende Unterschiede gibt es gibt friedliche religiöse Botschaften mit Ermahnungen zur Nächstenliebe, zum Verzicht auf Gewalt - aber auch das Gegenteil, verbindliche Aufrufe zum kriegerischen Kampf, zur Vernichtung von Ungläubigensollte eine seriöse Analyse nicht verschweigen.

Die Unterscheidung zwischen individueller Persönlichkeitsstruktur von Tätern und deren Beeinflussung durch Ideologien sollte nicht zur pauschalisierenden Verharmlosung, gar Verherrlichung Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Gewaltdoktrinen führen. Felix Feigenwinter, Basel Erschienen in der Basler Zeitung vom 28. Von Felix Feigenwinter Es gibt Themen, die scheinen sich für eine sachliche Auseinandersetzung schwer zu eignen.

Es liegt gewissermassen in der Natur dieser Sache, dass oft, wenn davon gesprochen wird, frivole Belustigung, verlegene Abwehr oder dezidierte bis panische moralische Entrüstung um sich greifen. Kritisches Nachdenken scheint weniger gefragt.

Gewiss, die Thematik um die Prostitution weiblicher Sexualität ist vielschichtig. Die Reaktionen reichen von der Behauptung sexueller und wirtschaftlicher Notwendigkeit über die Empörung wegen nächtlicher Ruhestörung bis zur moralischen Abscheu; manchmal kontrastieren sie mit romantischen Schwärmereien für das erotisch angereicherte gewisse Milieu, dem trotz knallharten Geschäftsgepflogenheiten Reiz und Charme abgewonnen Wo werden Richter Schuhe hergestellt?.

Nicht selten wird Neid gegenüber überdurchschnittlich gut verdienenden Sex-Gewerblerinnen spürbar, aber auch Empörung über dieses millionenfach praktizierte Geschäft, das jene provoziert, die bezahlte sexuelle Befriedigung für menschenunwürdig halten.

Dazu kommen die Zusammenhänge zu einem auf internationaler Ebene inszenierten Menschen- sprich Kinder- und Frauenhandel nebst anderen kriminellen Verstrickungen. Solche Voraussetzungen der sozialen Not werden aber gern ignoriert, ebenso die Auswirkungen psychischen Elends. Darüber sollte die Existenz jener Frauen nicht hinwegtäuschen, die erklären, ihre Prostituiertentätigkeit freiwillig und unabhängig auszuüben und dabei viel Geld zu verdienen. Schon in Zürich beispielsweise präsentiere sich das entsprechende Milieu bedeutend rauer und krimineller — obschon auch Zürich nicht mit ausländischen Grosstädten verglichen werden könne.

Dennoch wurde man in den letzten Jahren von Meldungen aus der Limmatstadt über Dirnenmorde aufgeschreckt. Basel blieb bisher davon verschont. Eine Verpflanzung der Prostituierten an eine öde Strasse abseits der Behaglichkeit und Überschaubarkeit zivilisierten Stadtlebens würde eine Verwilderung und Brutalisierung dieses Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

ohnehin am Rande gesellschaftlichen Lebens sich bewegenden Milieus bewirken. Ansätze zur Kultivierung des schwer kontrollierbaren Gewerbes würden zerstört. Im Interesse nicht nur der betroffenen Frauen sollte hier eine freundlichere Lösung angestrebt werden.

November 2013: Menschenrechtlich argumentierende Ethiker und Feministinnen definieren Prostitution als Leibeigenschaft auf Zeit, Zwangsprostitution als legitimierte Vergewaltigung. Wieder andere wollen Bordelle verstaatlichen. Dagegen wurde im sozialistischen Cuba die Prostitution nach der Revolution offiziell verboten. Bei aller Widersprüchlichkeit solcher Ansichten: In jeder zivilisierten Gesellschaft müssten die Ächtung von Zwangsprostitution und die strafrechtliche Verfolgung des kriminellen Mädchen- und Frauenhandels sowie staatliche oder privat organisierte institutionelle Aussteigehilfe selbstverständlich sein.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern durch gewissenlose egoistische Erwachsene wurde verharmlost. Wo werden Richter Schuhe hergestellt? im geschilderten Fall sowohl der Haupttäter als auch Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Komplizinnen strafrechtlich offenbar nie zur Rechenschaft gezogen wurden, passt ins Bild. Felix Feigenwinter, Basel Erschienen im TagesAnzeiger vom 23. Sogenannte Seelsorger, die den ihnen anvertrauten Kindern schwere seelische Schäden zufügen, sollen nicht mehr geduldet werden, heisst es.

Das Leiden der für ihr ganzes Leben geschädigten Opfer bleibt trotzdem weitgehend unverstanden. René Zeyers kritische Gedanken zur Veröffentlichung des Buches von Markus Zangger ändern nichts an der Problematik eines Phänomens, das der öffentlichen Klärung bedarf. Dieser Text aus dem letzten Jahrhundert endet mit einem Blick in die Zukunft; auch über vierzig Jahre danach erscheint er aktuell, mit steigender Dringlichkeit.

Europaweit und interkontinental drängen dramatische Migrationsprobleme zu umstrittenen Lösungen… Wege zur Überfremdung Von Felix Feigenwinter Bereits im späten Mittelalter Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Angehörige der Familie meines Vaters, deren Namen ich trage, nachweisbar auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft ansässig, und der aus Leipzig zugewanderte Ahne der Familie meiner Mutter erwarb 1524, also auch schon vor einigen hundert Jahren, das Basler Bürgerrecht.

Freilich ist mein Bürgerrecht Wo werden Richter Schuhe hergestellt? nicht mein eigenes Verdienst — sondern u. Anderseits kann ich mich des Unbehagens nicht erwehren, dass viele andere Individuen, die solche Rechte ebenfalls benötigen, darauf verzichten müssen. Diese Einsicht mag zwar so etwas wie private Dankbarkeit aufkommen lassen — aber noch viel stärker weckt sie das Bedürfnis, die Differenzen im Rahmen des politisch Möglichen und Sinnvollen auszugleichen.

Wenn ich zuweilen so etwas wie Befriedigung über mein Bürgerrecht verspüre, so stets dann, wenn ich mich mit der Schweiz als Quell und Hort humanitärer Ideen und völkerverständigender Institutionen zu identifizieren vermag. In dieser Beziehung spricht mich das weiße Kreuz im roten Feld an. Dass die sogenannten Übervölkerungs- Probleme, welche viele Bewohner unseres Landes gegenwärtig vor allem beschäftigen, keineswegs von Pappe sind, wird wohl niemand, der Anspruch auf Ernsthaftigkeit erhebt, bestreiten.

Allerdings wäre es naiv, zu glauben, unser kleines, rohstoffarmes Land könne den in den vergangenen Jahrzehnten erarbeiteten Wohlstand mit all den beachtlichen zivilisatorischen politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Errungenschaften unbeschränkt und Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

mit der grossen, weiten Welt teilen. Eine sich immer mehr abzeichnende allumfassende, uns unabwendbar herausfordernde Globalisierung mit unabsehbaren, schwer steuerbaren Emigrationsströmen verlangt umsichtige, intelligente Vorkehrungen - und bei aller geschmeidiger Weltoffenheit auch den Mut zu selbstbewussten eigenständigen Lösungen. Die vielen historisch reflektierten Artikel von Chefredaktor Markus Somm zu den aktuellen politischen Themen provozieren auch Widerspruch der in der BaZ nicht unterschlagen wirdbereichern aber auch die demokratische Debatte und beflügeln die intellektuelle Auseinandersetzung.

Es muss nicht immer der linke Einheitsbrei sein. Ich habe beides mit Vergnügen und Erkenntnisgewinn gelesen. So wünschte ich mir die Auseinandersetzung auch anderswo: freier Meinungsaustausch ohne ideologische Scheuklappen. Juli 2016: Kriege werden meist von Diktatoren angezettelt, nicht von Demokratien. Bemerkenswert, wenn ausgerechnet Sozialdemokraten die doch für Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Sicherheit kämpften Warnungen wie die von Baberowski ignorieren: «Der Sozialstaat kann nicht überleben, wenn die ganze Welt eingeladen ist, sich zu nehmen, was andere hart erarbeitert haben.

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Die nationalstaatliche Souveränität ist ein kostbares Gut, das die Freiheit sichert. Müsste ein Europäer, der in einer direkten Demokratie basisdemokratisch sozialisiert wurde, der Entwicklung zu einem in Brüssel zentralverwalteten und von Berlin aus diktierten? Felix Feigenwinter, Basel Sprach die Wo werden Richter Schuhe hergestellt? von Europa? Die deutsche Bundeskanzlerin schloss in letzter Konsequenz demokratisch nicht legitimiert!

Sprach da die Kaiserin von Europa? Zu bedenken gilt, dass Angela Merkel in einer kommunistischen Diktatur sozialisiert worden ist.

Die umfassende, mit einem eindrücklichen Bild illustrierte Würdigung von Sebastian Castellio im Zusammenhang mit einer Biografie-Besprechung betrachte ich als eine späte Rehabilitierung dieses wegen seiner Schriften im reformierten Basel des 16.

Dessen ehrendes Andenken wurde bisher vernachlässigt in der Humanistenstadt Basel, wo Castellio von 1544 bis zu seinem Tod 1563 lebte und trotz Verfolgung und Diffamierung als mutiger Frühaufklärer wirkte.

Castellios Botschaft ist auch zu Beginn des 21. Bernhard Vischer, Stansstad: Lieber, sehr Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Herr Wo werden Richter Schuhe hergestellt?. Vischer, nachdem wir — meine Frau und ich — die von Ihnen initiierte und mitgestiftete Castellio-Tafel bei der St. Alban-Kirche in privater Stille und Andacht besichtigt und bewundert haben, möchte ich es nicht versäumen, Ihnen dafür etwas verspätet, aber umso herzlicher zu danken und zu gratulieren.

Diese Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, bemerkenswert geschmackvoll gestaltete und plazierte Gedenktafel gehört nun zu Basels wertvollsten, geradezu okkulten Stätten, wunderbar eingebettet in eine atmosphärisch stimmige und nostalgisch stimmende Umgebung.

Wir werden dort öfter hingehen. Eigentlich wollte die Fotografin die Fassade des Berner Rathauses im Hintergrund aufnehmen, doch im lauschigen Boulevard-Bistro im Vordergrund liess sich soeben der Bern-Besucher Felix Feigenwinter aus Basel links nieder, und am Tisch nebenan sass zufällig ein anderer weissmähniger Gast, der Schriftsteller Jörg Steiner aus Biel rechts. So entstand dieses seltsame Bilddokument von einer Zufallsbegegnung zweier schimmelhaariger Schweizer Autoren in der Bundeshauptstadt Bern.

Jenny vom Regierungspräsidenten des Kantons Basel-Landschaft, Thomas Weber, am 15. In seiner unverwechselbaren Originalität passte er ausgezeichnet in unser munteres Wo werden Richter Schuhe hergestellt?. Dabei erschuf ich Imaginäres — eine kreative Herausforderung, die dem strikt realitätsbezogenen Journalismus fremd ist.

Dezember 2016, an seinem 77. Das eine des Trio, ein kleines Ölgemälde, ist im Jahr 1844 von Mamme's Urgrossvater Emanuel Friedrich Lichtenhahn Liechtenhan gemalt worden, der von 1817 bis 1894 lebte.

Dieser Freizeit- Künstler wohnte in der Basler Altstadt bei der Peterskirche das benachbarte Petersschulhaus, wo unser Daniel als Primarschüler ein- und ausging, war damals noch nicht gebaut. Ausserdem ein Blatt Papier oder ein Tüchleinauf dem zu lesen steht: Der Tod ist gewiss, ungewiss der Tag.

Die Stund auch niemand wissen mag. Ein sympathischer Einblick in den lichtenhahn'schen Haushalt, vor bald zweihundert Jahren, gemalt mit liebevoller Sorgfalt, feinem handwerklichem Geschick, künstlerischer Sensibilität und Kulturbewusstein; im Unterschied zum kleinen Stilleben aus dem Jahr 1844 fehlt leider die Angabe des Entstehungsjahres. Alle drei Bilder verführen jedenfalls zu einer andächtigen und inspirierenden Zeitreise in die Welt der Ahnen aus der Herkunftsfamilie unserer Mamme Elisabeth Lichtenhahn.

Zu Recht: Schon 1524 wurde er Basler Bürger im gleichen Jahr heiratete er Elisabeth Pur, eine Tochter des Schultheissen Rudolf Pur von Aarau - dieser Ehe entsprangen vier Kinder; vier weitere entsprossen der zweiten Ehe mit Ursula Heydelin, der Tochter des Oberzunftmeisters Marx Heydelin von Baselwomit die Geschichte einer neuen Stadtbasler Sippe lanciert war, die heute noch im Kreuzgang des Basler Münsters mit einem stattlichen Familiengrab-Denkmal grosse steinerne Grabplatte repräsentiert wird.

Der dort auf dem Familienwappen dargestellte Hahn kann allerdings hinterfragt werden, weil Lichtenhahn ja ursprünglich Liechtenhain hiess. Diese ursprüngliche Bedeutung wird im Lichtenhahn-Wappen sichtbar, denn da ist auch ein Hain Bäume abgebildet. Der Hahn ist ein gern verwendetes Wappentier, als Symbol von Wachsamkeit, Kampfbereitschaft, Verkündung des Tages. Im Lichtenhahn-Wappen trägt er zwei brennende Fackeln im Schnabel, wird also zum Lichtträger, zum lichten Hahn.

So ist es gekommen, dass die Basler Nachkommen der im Mittelalter in Jüterbog Brandenburg sowie Leipzig und Jena nachgewiesenen Geschlechts der Liechtenhain auch Lichtenhayn oder Liechtenhayn unterschiedlich heissen.

Aber ob sie sich nun Lichtenhahn, Liechtenhan oder Lichtenhan nennen - alle diese Basler sind miteinander blutsverwandt, stammen alle von Ludwig Liechtenhain ab. Die Basler Lichtenhahn sind seit Anfang eine protestantisch geprägte Sippe, in deren Reihen nicht zufällig reformierte Theologen auftauchen, so die Pfarrherren Bonifacius Lichtenhan 1625-1671Pfarrer von Bretzwil, Reigoldswil und Lauwil; Hans Rudolf Lichtenhahn 1731-1805Pfarrer von Buus und Maisprach; Hans-Heinrich Liechtenhan-Riedtmann 1729-1811Pfarrer in Kleinhüningen; Johann Hans Benedict Lichtenhahn 1847-1903Pfarrer der Theodorgemeinde in Basel sowie Professor Johann Rudolf Lichtenhahn 1875-1947Pfarrer der Basler Matthäusgemeinde.

Und international wohl- tätig war August Fritz Lichtenhahn 1871-1947gewürdigt mit dem Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universität Wien und Mitbegründer sowie erster Sekretär des schweizerischen Volksbundes. Der Vater unserer Mutter, Adolf Lichtenhahn 1882-1940brach mit der protestantischen Familientradition, indem er eine Katholikin aus dem Elsass heiratete: unsere Grossmutter Felicita Gottenkieni, genannt Elise 1879-1961eine bei uns Enkelkindern sehr beliebte, weil phantasievolle Grossmutter, die ihre katholische Heiligenverehrung nicht verbarg, indem sie uns die Amulette zeigte, die sie unter ihrer Bluse trug, und die uns abenteuerliche Geschichten von grünen Marsmenschen erzählte, die sie als Kind im Elsass habe landen sehen.

Und die Tochter, unsere Mutter Elisabeth Lichtenhahn, festigte den Kulturbruch, indem sie einen waschechten, lupenreinen Katholiken aus dem basellandschaftlichen Birseck ehelichte: Georg Feigenwinter, unseren Vater. Georg Feigenwinter, damals Obergerichtsschreiber und später Strafgerichtspräsident, und die Mutter Elisabeth, geborene Lichtenhahn, mit ihren vier Kindern vor dem gelben Einfamilienhaus an der Ergolz in Liestal.

Das Familienporträt entstand in den Neunzehnhundertvierzigerjahren, nach dem Ende des zweiten Weltkriegs während dem der Vater in der Schweizer Armee als Oberleutnant diente. Auf dem Foto hält die Mutter das jüngste Kind, Beat, den späteren Juristen, auf dem Arm. Im Mittelpunkt steht die mit einem Blumen-Haarkranz geschmückte Adelheid, die spätere Schriftstellerin und Malerin, im weissen langen Festkleid des Erstkommunion-Kindes.

Daneben links die jüngere Schwester Theres, rechts der Bruder Felix. Oben: Hinter dem Kollegiengebäude der Universität Basel beim Petersplatz verfolgen die Kinder vergnügt den Sprung von Clown Felix Feigenwinter ins Brunnenwasser. Wird da die Karriere eines neuen hochkarätigen aussenpolitischen BaZ-Journalisten lanciert?. Dass ich Deinen offenbar auch mathematisch inspirierten Gedanken nur beschränkt folgen kann, scheint mir nur logisch; als Gelegenheitsschreiber von Leserbriefen befinde ich mich längst auf dem Rückzug.

In diesem Zusammenhang wiederhole ich meine schon früher formulierte Feststellung: Mit grosser Bewunderung und einem herzlichen Gruss Felix Feigenwinter Lieber Felix, irgendwie bist Du mir mit Deiner Post zuvorkommen, wollte ich Dir doch schon lange meine Freude über unsere vergangene Zusammenkunft ausdrücken und hoffen, dass sich so etwas gelegentlich Wo werden Richter Schuhe hergestellt? wird.

Und was Deine schmeichelhafte Bemerkung betrifft, so nehme ich diese mit Vergnügen entgegen. Wo werden Richter Schuhe hergestellt? ich gebe mir grosse Mühe, mich nicht weiter zu verjüngen, damit Du Dich nicht noch weiter vergreist fühlst. Für Schweizer Zeitungen schrieb er viele kulturhistorische Texte.

In seinem Wohnort Basel kennt man ihn auch als Zauberkünstler. Religionen betrachte ich wohlwollend, wenn sie friedlich und menschenfreundlich seelsorgerische und soziale Hilfe, Trost und Hoffnung anbieten.

Meditation, introvertierte Versenkung, entzieht sich gesellschaftlicher Kontrolle. Auch das Sterben ist ein persönliches, eigentlich einsames Erlebnis; ein natürliches Ereignis - allerdings nicht unabhängig vom sozialen zivilisatorischen Netz, welches das Leben gefangen hielt.

Die langjährige Intendantin am Schauspielhaus Zürich lässt, verwoben mit eigenwilligen und einleuchtenden Assoziationen, Texte meiner 1996 verstorbenen Schwester aufleben. Aber keine esoterische oder vernebelte, sondern eine seltsam nüchterne, lakonische, die sich nicht wundert über die unverrückbare Nähe von Wachzustand und Tiefschlaf, von Vernunft und reiner Phantasie, von Alltagsmensch und Traumgestalt.

Auch sollen ein Symposium stattfinden und Führungen an ihre Orte und so weiter. Felix Feigenwinter, im Dezember 2020 Dichtermuseum Liestal und Adelheid Duvanel In der basellandschaftlichen Kantonshauptstadt Liestal hat sich im vergangenen Jahr der einheimische Ruheständler Albert Wirth, früher u. Redaktor der Ciba-Geigy-Zeitung in Basel, mit verschiedenen Vorstössen für Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Pflege des öffentlichen Andenkens der hier gross gewordenen Schriftstellerin Adelheid Duvanel-Feigenwinter eingesetzt.

Die von ihm deutlich zur Sprache gebrachte Ungereimtheit Adelheid Duvanels fehlende Präsenz in der Dauerausstellung des Dichtermuseums ihres Herkunftsortes ist kulturpolitisch brisant; das Anliegen, dieses Manko zu beheben, benötigt wirksame Unterstützung.

In der Veranstaltungs-Vorschau des Dichter- und Stadtmuseums Liestal lese ich nun im Internet, dass am 4. Ausserdem soll der Adelheid Duvanel-Verehrer Dr. In der Zeit zwischen 5. Juni 2021, also innerhalb von Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Monaten, möchte Kurator Dr. Stefan Hess in seinem relativ kleinen Museum nicht weniger als achtzehn Veranstaltungen zu verschiedenen Themen über die Bühne bringen; jene über Adelheid Duvanel soll die letzte sein, bevor das Museum zwecks Renovation vorübergehend schliesst.

Aufgrund bisheriger Erfahrungen ist nicht auszuschliessen, dass das ehrgeizige Programm wegen der auch im neuen Jahr trotz Freigabe von Impfstoffen verschärften Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie unterminiert werden könnte. Dessen ungeachtet bleibt die Hoffung, dass in der dann neu zu gestaltenden Dauerausstellung im Museum an der Liestaler Rathausstrasse ein Platz für Adelheid Duvanel eingeräumt wird. Dangel, Herzlichen Dank für Ihr freundliches Schreiben vom 12. Die Wiedererweckung des literarischen Werkes meiner Schwester ist für mich eine höchst erfreuliche Überraschung.

Gallen aufmerksam, der eine repräsentative Auswahl der von Adelheid gezeichneten und gemalten Bilder vorstellt und dazu eine bemerkenswert umfassende und vertiefte Analyse von Kuratorin Dr. Monika Jagfeld der Merkwürdigkeiten des schwierigen Lebens sowie des bildkünstlerischen und literarischen Werks von Adelheid Duvanel liefert. Dazu der Link: Der hochinteressante, auch informativ wertvolle Text von Monika Jagfeld enthält leider einen kleinen Fehler, vermutlich aufgrund eines Missverständnisses bzw.

Meines Wissens ist aber in der Basellandschaftlichen nie etwas von Adelheid erschienen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich die betreffenden Typoskripte dem Literaturarchiv übergeben. Diese schrieb ich mit noch frischem Gedächtnis; heute bin ich 81jährig, und die Erinnerungen sind zum Teil verblasst.

Nun hoffe ich, dass ich Ihnen dennoch einige für Sie nützliche Hinweise und Informationen geben konnte. Februar 2021 schrieb mir dann die Herausgeberin Prof. Diese Gesamtausgabe ist die Krönung von Adelheids schriftstellerischem Schaffen. Ihr Werk ist eine Entdeckung: poetisch, surreal und von grosser Radikalität. Dank Wo werden Richter Schuhe hergestellt? wohlwollenden Initiative meines aufmerksamen Sohnes konnte ich trotz meinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nun doch noch diese aparte kleine Ausstellung besuchen.

Am letzten Samstag im November fuhren wir nach Zürich an die Letzistrasse zur Galerie Litar, die - für Wo werden Richter Schuhe hergestellt? überraschend - in einem Wohnquartier fast versteckt zu finden ist. Hier erlebte ich eine erinnerungs-schwere späte Wiederbegegnung mit dem tragischen Leben und dem Werk meiner Schwester Adelheid. Felix Feigenwinter Ende November 2021. Obwohl es Herbst ist, Mitte Oktober, bestrahlt sommerliches Licht die gotische Fassade der Barfüßerkirche, die jetzt ein Museum beherbergt, wo das Gebein keltischer Ureinwohner zu besichtigen ist.

Valentin hat die exotische Gruppe durchs Tramfenster entdeckt. Er war unterwegs zum ziemlich öden Vorstadtquartier, wo er wohnt, bepackt mit einer Einkaufstasche eines Supermarktes, und er stieg hastig aus. Jetzt versteckt er sich zwischen den Cafégästen, die den Straßenmusikern blasiert applaudieren und ein wenig Geld locker machen. Gebannt lauscht er der fremdländischen Musik, die so leidenschaftlich an seine Seele pocht, dass sie zu zerbersten droht.

Gegenüber, hinter den Musikern, auf der breiten Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, die zur Kirche führt, feiert ein jüngeres Publikum den ekstatischen Jubel, sich versonnen im Rhythmus wiegend - ein bewegter bunter Haufen.

Mitten drin sieht er eine Frau - sie lächelt und winkt ihm zu. Valentin grüßt zurück, gar zart, geradezu scheu, ja greisenhaft verklärt, wie ihn selber dünkt.

Eine Stunde mag er andächtig gehorcht haben. Wieder und wieder sucht sein versunkener Blick die Zauberin - vergeblich. Unbemerkt muss sie aufgestanden, weitergezogen sein. Das Sonnenlicht weicht von der Kirchenfassade, das Himmelsgewölbe erblasst; die Musik der Barfüsser ist verstummt. Ein Schwarm Vögel flattert über den verlassenen Platz und verliert sich auf den Dächern. Valentin stellt sich vor, Tauben würden von einem Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

gejagt. Er fröstelt, will aufstehen, doch Schmerzen lassen ihn zurücksinken. Seit Wochen plagen ihn rheumatische Anfälle. Arbeitskollegen empfahlen ihm, einen Arzt aufzusuchen, aber die Anmeldung hat er immer wieder aufgeschoben.

Die Arthritis brennt und sticht, aber er denkt: Lieber spüre ich sie, als dass ich mich von Tabletten betäuben lasse! Die Melodien der Straßenmusiker klingen in ihm nach, berauschen immer noch seine Sinne. Die eisigen Blicke eines Ehepaars lassen ihn jäh verstummen, das Lied droht in der Kälte zu erstarren. Auf der Traminsel stößt er mit einer gehbehinderten Frau zusammen, der er, humpelnd auch er, nicht rechtzeitig ausweichen kann.

Valentin verbeugt sich ungelenk, stammelt eine Entschuldigung. Mit leidender Miene müht sich Valentin hinein, lässt sich auf einen Sitz fallen. Bewegungslos würde er sich durch die Strassen flitzen lassen, immer wieder neue Passagiere würden zusteigen, alte würden ihn verlassen, und staunend würde er von Endstation zu Endstation sausen bis tief in die Nacht hinein. Aber es ist Herbst, und das Rheuma erheischt Pflege; das Übernachten im Tramdepot kann kein Ziel sein.

Die Barfüßer steigen ein und eröffnen einen musikalischen Wirbel. Valentin zieht Schuhe und Socken aus, die Schmerzen scheinen verflogen. Seine nackten Füße klatschen auf den platten Boden, der Körper zuckt besessen zu den wilden Rhythmen der Fremden, die des Tanzenden Ekstase lachend, singend und schreiend begleiten.

Wie lange das gespenstische Treiben im Tramanhänger währte, ist ungewiss. Der Tramführer jedenfalls will nichts bemerkt haben. Sicher ist nur, dass er nach Mitternacht, als er im Depot nach Abschluss der Fahrt im Spätdienst einen letzten Kontrollgang durchführte, den Mann im Anhänger am Boden liegend fand.

Der Tod sei durch Herzinfarkt eingetreten, hielt später der Arzt fest, der die Leiche im gerichtmedizinischen Institut obduzierte. Über den Freudentaumel stand nichts im medizinischen Bericht. Der Retter Von Felix Feigenwinter Mario lässt sich erschöpft auf sein Bett fallen.

Nur die Hose hat er ausgezogen, um die Bügelfalten zu schonen; sie hängt, schon etwas zerknittert, über der Lehne eines Stuhls, über dem ein Bild schwebt, das er früher selbst gemalt hatte, als er noch Künstler werden wollte. Mario weiß inzwischen, dass seine Bilder von niemandem begehrt oder auch nur gebraucht werden; er versuchte es später als Kunsthändler, aber auch damit hatte er keinen Erfolg.

So trat er schließlich in eine Versicherungsgesellschaft ein, wo man ihn vor kurzem zum Abteilungsleiter vorgeschlagen hat. Durchs offene Fenster, durch den Wo werden Richter Schuhe hergestellt? der Gardinen, dringen gebrochene Sonnenstrahlen und für Mario zum Teil unerklärliche Geräusche: ein sich hartnäckig wiederholendes metallisches Kratzen vielleicht eine Katze oder ein Vogel im Dachkänel ; ein dumpfes Scharren; dazwischen die klaren Stimmen spielender Kinder; im Hintergrund das verschwommene Dröhnen von Automotoren, ein heilloses Durcheinander.

Dann plötzlich auch das Rauschen eines Wasserstroms. Mario wundert sich: seines Wissens gibt es in diesem Quartier keinen Fluss, auch nicht in der näheren Umgebung! Aber das lang anhaltende Geräusch ist nicht zu überhören, Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

nicht zu verwechseln. Der vergebliche Wunsch, dieses Rätsel zu lösen, nimmt Marios Gedanken für Minuten gefangen. Schließlich vermutet er, eine Halluzination zu erleben; mit dieser Vermutung schlummert er ein. Als er erwacht, dringen unangenehm scharfe Stimmen durch den Gardinenschlitz: es sind Nachbarsleute, die auf einer Dachterrasse ein Fest feiern. Ihre schrillen Kommentare über ein gewesenes oder kommendes Fußballspiel haben ihn geweckt.

Die Sonne ist längst über den Dächern verschwunden. Nachdem er geduscht hat, verlässt Mario das Haus, die aufgeregten Nachbarn auf der Dachterrasse ohne Gruß hinter sich lassend. Nach einer Fahrt in die Dämmerung gelangt er ans Ufer eines Flusses, der, als Folge der Gewitter der letzten Nacht, viele Hölzer, ja ganze Sträucher und kleine Bäume mit sich schwemmt. Eine Weile staunt Mario in den wild reißenden Strom, bis er sich selber in die Fluten stürzt.

Er ist ein guter Schwimmer, und er vermutet, dass er, wenn er nur will, nicht untergehen müsste. Aber diesen Ehrgeiz verspürt er schon gar nicht mehr.

Er beschließt, sich vollständig dem Wasserstrom hinzugeben, und er empfindet dies als weitaus angenehmer als die Auslieferung an die Vorgesetzten im Geschäft, die Kämpfe um höhere Umsätze und das verlangte Renommiergehabe unter den Arbeitskollegen in der Firma, deren Ziele er schon lange nicht mehr begreift.

All diese enttäuschenden, erwürgenden Erfahrungen sind für ihn nur noch blasse Erinnerungen, geradezu lächerlich, und auch die am Ufer jetzt auftauchenden Häuser, Autos und menschliche Gestalten erfasst Mario als schnell vorüberziehenden, schattenhaften, für ihn bedeutungslosen Spuk.

Nur sehr undeutlich, verzerrt, sieht er einen die Arme schwenkenden Mann am Ufer, der ihm etwas zuzurufen scheint.

An mehr kann sich Mario nicht erinnern. Als er das Bewusstsein wiedererlangt, beugt sich ein Arzt mit grüner Gesichtsmaske über ihn. Man hat ihn aus den Fluten in die Notfallstation des Kantonsspitals überführt. Auch sein Retter ist anwesend; er schüttelt Mario die Hand, als ob er seinen Dank erzwingen wollte, und tatscht ihm kumpelhaft an die Schulter.

Da Mario seit jeher ein schlechtes Namensgedächtnis hat, was ihm auch seine Arbeit bei der Versicherungsgesellschaft erschwert, vergisst er den Namen des Retters sofort. Er vermutet aber, er würde in der Zeitung publiziert; vielleicht würde der Mann sogar als Held ausgezeichnet und von einem Regierungsrat empfangen. Der Name des Kursleiters scheint identisch zu sein mit jenem, den ihm sein Lebensretter zugeraunt hatte. Mario hält es für möglich, ja geradezu für zwingend, dass ihm der Retter den Kursbefehl geschickt hat.

Der Zusammenhang scheint einer quälenden Logik zu entsprechen. Die Grossmutter hatte ihre grosse Liebe an einen Triebtäter verschwendet.

Frau Braun fand Grossmutters Lebenslüge abscheulich. Als Enkelin einer Frau, die ihre Gefühle einem Unwürdigen verschenkte - einem Kinderschänder! Eines Morgens erreichte sie die Liebeserklärung eines Unbekannten, deren Identität ihr verborgen blieb. Das handbeschriebene Papier, den sie ihrem Briefkasten entnahm, verschwieg Namen und Adresse des Absenders. Erstaunt las sie die Zeilen eines Anonymlings, der sie aus einem Versteck heraus ansprach.

Gezielt, doch feige, unfassbar wie ein Gespenst, übergoss er sie. Da sich der okkulte Verehrer nicht mehr meldete, verflüchtigte sich Frau Brauns Irritation allmählich. War er ein poetisch veranlagter Spassvogel, ein frivoler Spieler, ein leidenschaftlich Besessener? Frau Braun zwang sich, den Vorfall zu vergessen. Das Gedicht, diese wahnwitzige Liebeserklärung eines Unsichtbaren, hatte sie eine Zeitlang in ihrer Handtasche aufbewahrt; von Zeit zu Zeit holte sie es hervor und las es im Stillen.

Als sie noch keinen Wunsch nach einem eigenen Kind verspürte, fuhr sie manchmal in eine fremde Stadt, um Unerwartetes zu erleben. So schlenderte sie einmal durch eine ihr endlos scheinende Geschäftsstrasse einer Metropole und bewunderte die Schaufenster der Bijoutiers. Plötzlich, wie im Traum, betrat sie einen dieser Läden, betört durch einen besonders prächtigen, selten grossen und strahlenden, in geschmeidiges Gold gefassten Diamanten, der mit keinem Preisschild versehen war. Sogleich erschien ein in aparte Seide gekleideter, dezent parfümierter junger Herr, der sie mit unbewegt freundlicher Miene vom Scheitel bis zur Sohle diskret musterte und sich gleichzeitig in leise süffisantem Ton nach ihrem Begehren erkundigte.

Mit stockender, vor Verlegenheit belegter Stimme fragte sie nach dem Preis der im Schaufenster strahlenden Köstlichkeit. Ihre kindliche Verblendung, ihre wahnhafte Wo werden Richter Schuhe hergestellt? war angesichts des distinguierten Jünglings relativiert worden, der aus einer für sie in Wirklichkeit unerreichbaren Welt vor ihr aufgetaucht war. Der feine junge Herr lächelte beharrlich, nun aber eher bedauernd als süffisant, wie ihr schien er ist eben doch ein kultivierter Mensch mit angenehmen Manieren und vielleicht sogar Herzensbildung, erwog Frau Braun, möglicherweise der Sohn des Geschäftsinhabers.

Nach dem Tod ihrer Grossmutter suchte Frau Braun eine andere Wohnung, um quälenden Erinnerungen zu entrinnen. Nachdem sie in ihr neues Heim eingezogen war, eine Dreizimmerwohnung im Haus eines Herrn Tellenbach, erfuhr sie nach und nach Einzelheiten aus der Vergangenheit des neuen Wohnungsvermieters.

Nicht dass sie Tellenbach gefürchtet hätte; dieser grossgewachsene alte Mann verhielt sich ihr gegenüber vom ersten Tag an korrekt, wie ihr schien, sogar freundlich und hilfsbereit. Doch ihr fehlte die Erfahrung mit einem Menschen, der, wie eine Nachbarin erzählt hatte, seinen Chef umgebracht hatte.

Sie war ratlos, wie sie mit ihm umgehen sollte. Anfänglich genierte es sie, ihm im Treppenhaus oder im Garten zu begegnen. Frau Braun arbeitete zu einem bescheidenen Monatslohn in einer Holzofenbäckerei mit angegliedertem Laden, in dem sich auch ein kleines Café befand; dort hatte sie Tellenbach kennengelernt, und er hatte ihr die Wohnung angeboten.

An einem Vorfrühlingsabend war sie spät von der Arbeit nach Hause gekommen. Immer Wo werden Richter Schuhe hergestellt? in Schuhen, begoss sie ihre Blumen aus der Plastikkanne, die tagsüber und nachts im Badezimmer die Tropfen aus einem undichten Wasserhahn sammelte. Tellenbach war über den ärgerlichen Defekt informiert; er hatte ihr schon letzte Woche versprochen, für Abhilfe zu sorgen, doch bisher war nichts geschehen. Auf dem Balkon schob sie das Katzenleiterchen zurecht, das der Wind während ihrer Abwesenheit verrückt hatte, in der Hoffnung, ihr von der Grossmutter geerbter, seit Tagen vermisster Kater würde endlich zurückkehren.

Danach zog sie sich ins Wohnzimmer zurück, um fernzusehen. Noch bevor sie den Apparat anstellte, hörte sie vom Fenster her ein Kratzen. Der angelehnte Fensterflügel wurde aufgeschoben - ein Schatten huschte ins Zimmer. Und während sie sich über das Wiedersehen freute, den Kater zärtlich streichelte, schrillte die Wohnungsglocke. Als sie die Tür öffnete, stand Tellenbach vor ihr, einen Werkzeugkasten in der linken Hand schwenkend.

Nachdem Tellenbach den lecken Wasserhahn im Badezimmer dicht gemacht hatte, bat sie ihn ins Wohnzimmer und offerierte ihm ein Glas Wein aus der Flasche, die er ihr beim Einzug in die Wohnung zur Begrüssung geschenkt hatte. Aber sicher hat Ihnen auch schon jemand erzählt, ich hätte als gelernter Zahntechniker eine Bestattungsfirma gegründet, um den Toten das Zahngold aus den Mündern zu klauen? Das habe ich getan, als junger Mann.

Ich erschoss meinen Chef; er war der Besitzer des zahntechnischen Labors, wo ich meine Lehre machte. Der Kerl war ein Sadist. Er hat mich bis aufs Blut gedemütigt. Ich könnte Ihnen den ganzen Roman erzählen, aber was soll's. Ich habe für meine Tat gebüsst, habe einige Jährchen meiner Jugend im Gefängnis verbracht. Frau Braun war verstummt ob der Bekenntnisse des kauzigen Alten.

Sie trug das Kind aus, mit stolzer Beharrlichkeit und Würde, im Glauben, dass sie den verrückten alten Kerl aus dem Dachstock zwar nie heiraten würde, dass Wo werden Richter Schuhe hergestellt? aber sie und ihr Kind nicht im Stich lassen wolle. Insgeheim hielt sie sich für eine Geschädigte. Nach heftigen Gefühlen nach einem Mann stand ihr nicht der Sinn. Doch Tellenbach machte keine Anstalten, für das Kind aufzukommen.

Er erklärte ihr, sie sei selber schuld; er habe nie ein Kind gewollt. Einziger Zweck unseres Daseins war in Stämpflis Vorstellung die materielle Absicherung des späteren Rentnerlebens. Nichts unterließ er, um uns Arbeitsdisziplin und Ehrfurcht vor dem Drei-Säulen-Konzept der Altersvorsorge einzutrichtern.

Aber nicht, dass Sie jetzt denken, Herr Stämpfli sei ein schmarotzerischer Heuchler gewesen, der andere zu verbissener Arbeit angehalten hätte, um sich selbst ein um so genüsslicheres Leben zu verschaffen! Da kein Verleger Interesse bekundete, gründete Stämpfli schließlich einen Selbstverlag.

Wenige Tage nach der Auslieferung seiner Bücher besuchte ich den kurz vor seiner Pensionierung stehenden Lehrer in seiner Wohnung. Er saß an seinem Schreibpult zwischen den Büchertürmen und wirkte irgendwie verklärt. In seinem sonst so zerquälten Antlitz bemerkte ich zum erstenmal den Anflug eines stolzen Lächelns. Die Aussicht, das Lebensziel bald erreicht zu haben, schien ihn zu entspannen. Ihn, der sich sogar in seinen langen Schulferien jegliches Ausspannen versagt hatte!

Noch mussten für die Bücher allerdings Leser gefunden werden - und Buchhändler, die gewillt waren, das Werk unter die Leute zu bringen. Eine Wo werden Richter Schuhe hergestellt? nach meinem Besuch in Stämpflis bücherverstelltem Heim kippte einer der Türme. Nicht dass die Bücher Herrn Stämpfli erschlagen hätten, aber der Schreck über den Einsturz der dritten Säule brachte sein angegriffenes Herz offenbar zum Stillstand.

So fand er doch noch seine Ruhe, wenngleich anders als lebenslang geplant. An Stämpflis Beerdigung begegnete ich mehreren früheren Schulkameraden. Mit pflicht- und fleißzerfurchten Gesichtern stämpflischer Prägung umstanden sie das Grab des verehrten Lehrers.

Die einzig lockere Gestalt an dieser Beerdigung war Fridolin; er hatte sich kaum verändert. Als wir uns einst in Stämpflis Klassenzimmer über unsere Grammatikschriftlichen beugten, lehnte sich Fridolin lässig zurück und zeichnete Vögel: Tauben, Schwäne und Störche.

Das war seine Spezialität - und das einzige, was er in der Schule wirklich konnte: Wo werden Richter Schuhe hergestellt? zeichnen. Fridolin hat nie eine Abschlussprüfung bestanden, beendete somit auch nie eine Berufslehre, und aus der Rekrutenschule kehrte er - wen wundert's! Auch die Arbeitsstellen, die er von Zeit zu Zeit antrat, verließ er bald unverrichteter Dinge. Später traf ich ihn einmal sonntags im Zoologischen Garten, wohin ich mit meiner Frau und den Kindern spaziert war.

Fridolin saß auf einer Bank und zeichnete Störche. Nach einigem Zögern kaufte ich ihm ein Bild ab. Er gestand mir, dass er davon leben müsse. Ein anderes Einkommen habe er nicht. Einige Jahre danach berichtete mir meine Frau, als ich abends vom Büro nach Hause kam, sie habe Fridolin in der Stadt getroffen.

Es gehe ihm jetzt gut, er beziehe eine Invalidenrente, und im Rahmen der Ergänzungsleistungen seien ihm für mehrere tausend Franken die Zähne saniert worden. Wo werden Richter Schuhe hergestellt? kleide er sich jetzt gepflegter als früher, und er mache sich bei Frauen beliebt.

Jedenfalls werde er häufig von Damen zum Essen eingeladen, wie er ihr anvertraute. Anders als die Männer, die während neun Stunden täglich im Büro sitzen, habe er nun eben Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Zeit, in Cafés zu flirten. Er wisse stets drollige Geschichten zu erzählen. Dem Bericht meiner Frau musste ich entnehmen, dass sich Fridolin vom Clochard zum Gigolo entwickelt hatte. Gestern nun, als ich auf meinem Velo zur Arbeit fuhr, habe ich ihn selber gesehen. Vor dem Rotlicht, wo ich mein Zweirad abstoppte, hielt neben mir ein schnittiger Sportwagen.

Der Mann, Wo werden Richter Schuhe hergestellt? die Autoscheibe herunterkurbelte, um mich grinsend zu grüßen, war Fridolin. Sie schien auch sonst nett zu sein; jedenfalls lächelte sie mir freundlich zu.

Massaker im Arnsberger Wald

Ein lindes Windchen durchlüftete die Sonnenwärme. Kein Hitzestau, keine hundstägliche Bewusstseinstrübung war nachzuweisen. Die Sonne stach nicht, sie schien vielmehr freundlich und mild, verhielt sich gewissermassen mitteleuropäisch-zivilisiert.

Abgründiges, Erschreckendes hatten die vernünftigen Organisatoren schon bei der Planung des Rundgangs durch den Zoo ausgeschlossen: Die Raubtierkäfige mit der manchmal wild knurrenden und zähnefletschenden Löwin Yolanda wurden bewusst umgangen.

Die Kinderschar durfte so putzige Tierchen wie Zwergziegen und Hängebauchschweine, Waschbären und Erdmännchen bewundern. Weiter ging's zu den Pinguinen, zum Affenfelsen, und schliesslich blieb der muntere Besuchertrupp vor dem Gehege jener schmucken Steppenpferdchen stehen, die Zebras genannt werden. Die Idylle schien abgerundet zu sein. Da meldete sich ein vielleicht siebenjähriger Knirps, der Wo werden Richter Schuhe hergestellt? unter den Kindern. Sie müssen also gar nicht klettern! Auch mal eine Wurst oder ein Kotelett.

Nichts Besonderes, wie wir alle. Der Verkehrsverein offeriert nun noch jedem von euch einen kleinen Imbiss. Doch die Lernbegierde des Knirpses war damit noch keineswegs gestillt. Beim Birchermüesli-Schmaus liess er sich erklären, wer die Tiere wie einfängt und in den Zoo bringt.

Und er wollte wissen, wo der Zoodirektor wohnt. Vielleicht im Häuschen im Zebragehege, in das der Wärter über die Leiter klettert? Um Missverständnisse über das Aussehen eines Zoodirektors ein für allemal zu zerstreuen etwa phantastische Vorstellungen über ein gerüsseltes, gehörntes, gehuftes oder ähnlich märchenhaftes Wesenfasste der Zooangestellte die günstige Gelegenheit beim Schopf und wies zur lauschigen Ecke des Zoorestaurants, wo zufällig der Zoodirektor mit seiner Gattin an festlich gedecktem Tisch sass.

Darauf blieb der allzu strapazierte Zooangestellte eine Antwort schuldig. Eine unverständliche Ausrede murmelnd, flüchtete er hastig hinter die Toilettentür. Der Oberkellner schleppte ein Silbertablett herbei, auf dem tatsächlich ein köstlich garnierter Rehrücken lag. In diesem Augenblick überwältigte den Zoodirektor ein behagliches Gähnen, und noch bevor er seinen breit geöffneten Mund mit vorgehaltener Handfläche diskret verdecken konnte, drang durchs offene Fenster aus dem angrenzenden Raubtiergeviert ein fürchterliches Gebrüll.

Für die Birchermüesli essenden Kinder freilich sah es so aus, als ob der Zoodirektor höchstpersönlich gebrüllt hätte. Und so wurde der Rehrücken speisende Direktor zum beeindruckendsten Erlebnis ihres Zoobesuchs. Himmelarschundsternenaffenurinundelefantenscheissdrecknocheinmal Diese Geschichte ist am 12. Die gedrungene Gestalt verharrte am Schreibtisch vor dem Fenster, im abendlichen Gegenlicht wirkte sie wie ein unheimliches, geducktes Tier.

Erst als der Sohn nähertrat, bemerkte er, dass der alte Mann eingeschlafen war; er atmete schwer, schnarchte leise vor sich hin, den Kopf zwischen beiden Fäusten festgehalten, die wie Klumpen aus den Armen hervorgekrochen schienen.

Auf dem Pult sah der Sohn die Insulinspritze liegen, die der zuckerkranke Vater regelmässig benützte, daneben einen Kugelschreiber und ein beschriebenes Blatt Papier; der Vater hatte einen Leserbrief an die Lokalzeitung entworfen, einen Diskussionsbeitrag zu einem lokalen Streitthema, eine Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

an frühere Kämpfe. In Griffnähe stand die Obstschale, die vier zum Teil schon angefaulte Aepfel enthielt; eine der Früchte war angebissen, das künstliche Gebiss zeichnete sich im Fruchtfleisch wie ein Mahnmal ab.

Der Sohn erinnerte sich, dass Vater früher einmal vergessen hatte, für eine wichtige Versammlung, wo er hätte reden sollen, sein Gebiss anzuziehen - zahnlos war er zur Veranstaltung gefahren. Erst im Versammlungsraum wurde er sich des Mangels bewusst, und er flüchtete panisch nach Hause. Noch ehe es der Sohn verhindern konnte, rutschte ein Arm des Vaters zur Seite, und die Stirn prallte seitwärts auf die Briefskizze auf dem Schreibtisch.

Wo werden Richter Schuhe hergestellt? alte Mann fuhr auf, lächelte verlegen, als er den Sohn im Abenddämmer entdeckte. In diesem Moment betrat die Mutter das Herrenzimmer und drückte auf den Lichtschalter. Des Vaters Kopf schien nun zu schrumpfen; aus dem runzeligen Gesicht blinzelte es treuherzig ins Helle. Ich werde Euch fürs Altersheim anmelden!

Die Mutter wich zum Vater, umklammerte mit beiden Händen dessen Schultern. Der Sohn Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, zwei alte Kinder zu sehen, die ihrem Schicksal sprachlos ausgeliefert schienen. Was immer die verlangte Arbeitsdisziplin zu untergraben droht und das tun eigentlich alle persönlichen, un-sachlichen Bedürfnisse - wird mittels Weisungen, internen Mitteilungen und Personalnachrichten eingeschränkt oder ganz eliminiert.

In dieser Öde abgewürgter Emotionen ähneln die Menschen immer mehr Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Computern, an denen sie zu Wo werden Richter Schuhe hergestellt? haben. An einer Kadersitzung hatte man zu einem entscheidenden Schlag gegen letzte Wo werden Richter Schuhe hergestellt? individueller Arbeitsplatzgestaltung ausgeholt: Man verlangte eine noch straffere Pausenordnung und das strikte Verbot von Zwischenverpflegungen in den Büros.

Philipp, vor kurzem zum Abteilungsleiter befördert, probeweise gewissermassen, war skeptisch, ja traurig gestimmt, und er lächelte, um die Stimmung besser ertragen zu können. Wie von den übrigen Kadermitgliedern erwartete man von ihm die vorbehaltlose Unterstützung der verfügten Massnahmen.

Statt dessen zuckte er widerspenstig die Achseln und trug sein melancholisches Lächeln zur Schau. Erst die dezidierte Aufforderung des Vorsitzenden, endlich eine deutliche Stellungnahme zu äussern, versetzte ihn in eine schrille Heiterkeit, eine Art Galgenhumor.

Zwar vermied er es, laut herauszulachen; aber sein Lächeln gedieh zum abgrundtiefen stummen Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, und dieses schien der Betriebsleitung noch mehr zu missfallen. Kurze Zeit später erfuhr Philipp von seiner Absetzung als Abteilungsleiter.

An seine Stelle trat ein neueingestellter Computerfachmann, eine dynamische, karrierebewusste Kraft; sie stellte sich als Schorsch Bonz vor, und Philipp vermied bei der Vorstellung jedes verfängliche Lächeln. Man versetzte Philipp in ein kleines Büro, das er mit einer altgedienten Kollegin zu teilen hat, einer Frau Nörgeli. Dort starrt er nun ganztags auf einen Computerbildschirm; das Grinsen hat seine Degradierung zum gewöhnlichen Sachbearbeiter bewirkt. Aber er trägt sein Schicksal mit Fassung und lächelt wieder, wenngleich diskret, gewissermassen versteckt, ohne eine Provokation zu suchen, still vor sich hin.

Nur manchmal, in der Freizeit, überfällt ihn das Bedürfnis, laut herauszulachen. Das geschah kürzlich in der Halle des Hauptpostgebäudes, wo er vor einem Schalter in einer Menschenschlange stand, um einen einge¬ schriebenen Brief aufzugeben. Leider hatte er es unterlassen, vor seinem Heiterkeitsausbruch die Umgebung aufmerksam zu betrachten.

Sonst hätte er bemerkt, dass in der Schlange nebenan, schräg vor ihm, Schorsch Bonz anstand. Bonzens grimmiger Blick signalisierte ihm zu spät, dass der Bürochef das Lachen auf sich bezog und beleidigt war, weiss der Himmel, weshalb. Das veranlasste Philipp, zu überlegen, welche innerbetrieblichen Auswirkungen sein öffentliches Lachen haben könnte. Eine Degradierung zum Aktenableger hält er für unwahrscheinlich - aus dem einfachen Grund, weil nach der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung sämtliche Akten abgeschafft worden sind; somit sind Aktenableger überflüssig geworden.

Daher bleibt wohl nur noch die Entlassung, und da würde ihm das Lachen dann schon vergehen! Erschienen im Nebelspalter, 1987, Heft 1 Der Frühling i m Büro Von Felix Feigenwinter Das Amt, in dem Fridolin Knoll als Abteilungsleiter und Herr Knüsel als Sachbearbeiter seit Jahren tagaus tagein ihren Dienst versehen, hatte mit der Einstellung von Frau Röösli eine sonderbare Veränderung erfahren: Wenn der Abteilungsleiter das Büro betrat, begrüsste ihn Frau Röösli von einem der Computertische herunter, wo sie barfüssig an neuen Vorrichtungen für die Schlingpflanzen bastelte.

Sachbearbeiter huschten giesskannenbewehrt durch die Gänge. Sie versteckten sich im grünen Dickicht ihrer Arbeitsplätze und flüsterten Liebeserklärungen ins buschige Laub, streichelten zärtlich aufkeimende Sprösslinge.

Mit Lupengläsern suchten sie nach Läusen. Wurden sie fündig, fingen sie Marienkäfer, denen sie die Blattläuse zum Frasse vorsetzten. Aus dem Gebüsch flötete eine chinesische Nachtigall. Sie pickte den Sachbearbeitern aus der Hand, jagte und verschlang aber auch Marienkäfer. Dies wiederum gefährdete das Wachstum der Pflanzen.

Während einer Geschäftsleitungssitzung schilderte der Abteilungsleiter die drastischen Veränderungen seit dem letzten Urlaub. Nach einem kurzen Augenschein beschloss die Direktion, das Büro räumen zu lassen. Die dienstälteste Sachbearbeiterin eilt zum Fenster, schliesst es beflissen und sachte, worauf Herr Knoll durchs Büro flaniert, sich scheinbar prüfend über ein herumliegendes Dossier beugt.

Fragte man ihn, was er im Dossier suche, er vermöchte es, so wird seit langem vermutet, nicht zu erklären. Seine Bewegungen ähneln den salbungsvollen Verbeugungen der Priester in den Hochämtern mit Segen. Frau Wunderlich hat Herrn Knolls Frühlings-Zeremonie verstohlen vom Computertisch aus verfolgt.

Ein Gespenst hat sie besucht. Vorletzte Woche begegnete es ihr auf dem Heimweg, im Abenddämmer, und seither folgt es ihr Tag für Tag.

Es wartet im Bürovorraum und begleitet sie nach Hause. Nachts setzt es sich auf ihre Brust und schleicht sich in ihre Träume ein. Manchmal vergisst sie es während der Arbeit. Dann glaubt sie, es sei ein Traumgespenst. Zwischen dem Computergeplapper hört sie sein Schnalzen durch die Empfangshalle schallen; sie riecht es und hat das Gefühl, es laure hinter einer Ritze der Bürotür, luge durch die Glasscheibe des Publikumsschalters.

Frau Wunderlich hämmert wie wild auf die Computertasten. Ihre Kollegen sehen sie prüfend, fast scheu an. Sie legen ihre Arbeit zur Seite, spähen nachdenklich durch die Fensterscheibe auf die Vögel im Strauch.

Das hektische Klappern erinnere sie an das Zerkleinern von Suppengemüse auf einem Hackbrett, erklärt Frau Knoblauch, die dienstälteste Sachbearbeiterin. Unter einem Kastanienbaum tranken sie grosse Biere. Im Abenddämmer leuchtete Knüsels roter Haarschopf wie ein Hahnenkamm; tanzende Fledermäuse umschwirrten die Gäste. Auf die Rückseite einer Getränkekarte schrieb der Büropoet ein Gedicht, das er Frau Wunderlich überreichte. Heute, frühmorgens, hing Knüsels Gedicht am Informationsbrett im Verwaltungsbetrieb; der Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Fridolin Knoll stand kopfschüttelnd davor. Alsdann riss er die Karte vom Brett, zerknüllte sie und warf sie in den Papierkorb. Herr Knoll wischt sich Schweissperlen von der Stirn, bevor er sich würdig schnäuzt. Er spricht davon, sich vielleicht frühzeitig pensionieren zu lassen. Der Büroalltag nimmt seinen geordneten Fortgang. Blockzeit Fred sass hinter dem Personalcomputer und betrachtete durchs Fenster die Dächer der gegenüberliegenden Häuser.

Sein Staunen galt dem Phänomen, dass Schnee nur noch Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Dach eines einzigen Hauses bedeckte, bis ihm einfiel, dass dort die Fensterläden seit Monaten geschlossen waren. Das Haus schien seit langem unbewohnt, und das war wohl der Grund, warum der Winter das Giebeldach noch immer belagerte; offensichtlich war nie mehr geheizt worden, keine Wärme unter dem Dach trieb die Schneeschmelze an.

Christs Anwesenheit nahm er erst später wahr, als er ein Räuspern vernahm, das ihn erschreckte und seine Beschaulichkeit zerstörte. Er fragte sich, wann Christ das Büro betreten habe. Vergeblich versuchte er sich zu erinnern, das Geräusch der sich öffnenden Tür bemerkt zu haben. So vermutete er, der Abteilungsleiter sei vor etwa zehn Minuten ins Büro gekommen, als Frau Erhart zur viertelstündigen Morgenpause aufgebrochen war; dann hätte ihn Christ während Minuten heimlich beobachtet, wortlos hinter ihm stehend.

Fred wagte nicht, sich vorzustellen, wie er sich während dieser Zeitspanne verhalten habe. Meistens riss er, nachdem die durchzugsgefährdete Frau Erhart in Richtung Aufenthaltsraum im Korridor verschwunden war, das Fenster auf, und er zündete eine Zigarette an, deren Rauch er gierig einsog, ruhelos im Büro hin- und herwandernd, wie ein gefangenes Tier. Die Gier, die ihn in Abwesenheit der Nichtraucherin Frau Erhart täglich erfasste, war unbändig.

Heute hatte er nicht geraucht, weil er am frühen Morgen, auf dem Weg zum Verwaltungsgebäude, vergessen hatte, Zigaretten zu kaufen.

Anders als sonst war er am Pult sitzengeblieben, sonst wäre ihm Christs Anwesenheit aufgefallen. Ein Fensterflügel stand freilich offen; den herbeiströmenden Wind hatte er wie ein erfrischendes Bad genossen; der Schein der Frühlingssonne glitzerte, und vom Dach des unbewohnten Nachbarhauses tropfte Schneewasser in die Pflanzenrabatten, wo Amseln die Erde bepickten. Sie tönte wie üblich gesiebt, von emotionellen Spuren vollständig gereinigt, wirkte gleichförmig, unbewegt.

Fred bejahte; Christs Erkundigung konnte nur rhetorisch gemeint sein, war somit hämisch. Aber die Schadenfreude, die ihr zugrunde lag, war nicht zu denunzieren - oder hätte Fred erwähnen sollen, elf Uhr sei innerhalb der Blockzeit; er müsse heute morgen weder zum Arzt noch zu einer Beerdigung eines nahen Verwandten andere Verrichtungen ausserhalb des Verwaltungsdgebäudes waren für ihn während der Blockzeit nicht vorgesehen; Dienstreisen, wie Kaderleute ihre Ausflüge während der Blockzeiten deklarierten, blieben für gewöhnliche Angestellte unerreichbar; diese hatten hinter ihren Personalcomputern zu verharren, seit der Einführung der Zweiundvierzigstundenwoche mit einem Unterbruch von zweimal fünfzehn Pausenminuten während täglich achteinhalb Stunden, inbegriffen die Kompensationszeit für verlängerte Wochenenden an Ostern und Pfingsten.

Vielleicht hätte Christs Gesichtsausdruck nähere Hinweise gegeben, ein maliziöses Lächeln etwa, oder eine forciert starre Maske, aus deren Oeffnungen die Bosheit zuckte. Leider sei mit Lärmimmissionen und zeitweise mit Einschränkungen der Parkierungsmöglichkeiten zu rechnen; man erwarte selbstverständlich, dass der Arbeitseinsatz dadurch nicht beeinträchtigt würde.

Als sich Fred endlich umsah, hatte der Abteilungsleiter in seinem Rücken das Büro bereits verlassen; Fred schloss den Fensterflügel und setzte sich auf den Sessel zurück.

Kurz, nachdem Frau Erhart von der Pause zurückgekehrt war, durchdrang ein metallenes Klopfen das Schweigen im Büro, verdeckte das Klappern der Computertasten.

Die Korrektheit der Kollegin verband sich nahtlos mit der Leidenschaftslosigkeit, welche die Büroräume durchspannte, sicherte den vorgeschriebenen Umgang zwischen den angestellten Menschen, die austauschbar schienen. Der Lärm der Sondierungsbohrung vermochte Frau Erharts Verhalten auch nicht zu ändern, und nach einer Weile sah Fred auf die Uhr und sagte, um elf Uhr müsse er zu einer Besprechung im kleinen Sitzungszimmer, und er erhob sich und schickte sich an, das Büro zu verlassen; dabei streifte sein Blick Frau Erhart, in deren Gesicht er geduckte Abwehr las, ja Zeichen nur mühsam unterdrückter Angst.

Als er das Sitzungszimmer erreichte, fand er es menschenleer. Er beschloss, Geduld zu üben und hielt es für angemessener, stehend oder herumgehend statt sitzend zu warten. Seine unbestimmte Bange versuchte er zu mildern, indem er, ähnlich dem Besucher einer Kunstgalerie, einer Wand entlangschlenderte, um ein dort aufgehängtes Oelgemälde aus der Nähe zu betrachten.

Er sah die Darstellung Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Parkanlage, eine glühende Sommerlandschaft mit erregenden Ausblicken, eine leidenschaftliche Expression, zu der keine Büroseele fähig schien. Noch während er sich im Bild verlor, gleichsam darin spazieren ging, betraten drei ihm bekannte Herren, unter ihnen der Abteilungsleiter Christ, das Sitzungszimmer; man hiess Fred Platz nehmen.

Sein Blick blieb auf dem Oelgemälde haften; er entsann sich eines sommerlichen Sonntagnachmittags: Nachdem er im Stadion ein Fussballspiel verfolgt hatte, verspürte er das Bedürfnis, aus der Menschenmenge zu flüchten, mit sich allein zu sein, und er geriet auf dem Heimweg in einen Park.

Ein Gewimmel von kinderreichen Familien säumte den Rasenrand; unter dem wispernden Laub der Parkbäume wurde gepicknickt, palavert, gedöst; kleine nackte Kinder plantschten in einem Wasserbecken, und auf den Bänken thronten Rentner und überwachten das Geschehen. Fred schritt auf den schattenlosen Rasen hinaus, der öde war, weil die Hitze so fürchterlich sengte.

Er legte sich auf den Rücken ins Gras, das unmerklich zitterte, da ein stiller Wind Wo werden Richter Schuhe hergestellt? strich. So ruhte er eine geraume Weile, gab sich der Sonnenglut hin, und schlummerte ein. Aber als er erwachte, fegte ein Sturm durch die menschenleer gewordene Parkanlage. Fred blieb vorerst liegen, starrte auf die herbeihastenden dunklen Wolken, lauschte dem Rauschen des die Baumkronen durcheinanderwirbelnden Winds, bis ihn plötzlich einsetzende Schauer zur Flucht trieben.

Er rannte zu einem Kastanienbaum, der ihm Schutz vor dem ungestüm niederprasselnden Regen zu bieten versprach, wurde aber von einem Schlag ins Genick zu Boden geworfen; der Sturm hatte einen Ast gefällt. Und nun lag Fred auf dem Spazierweg, gedrückt vom Ast, und schluchzte vor Schreck und lachte, überwältigt vom Glück, den Blitzschlag überlebt zu haben. Als Fred ins Büro zurückkehrte, wo Frau Erhart immer noch am Personalcomputer tippte, meldete er mit blasser Stimme, es habe sich um ein Entlassungsgespräch gehandelt; als Familienvater mit sozialen Verpflichtungen träfe es ihn hart, aber er verstehe es auch als eine Chance.

Frau Erhart schien kaum aufzuhorchen; ihre Finger hämmerten ungebrochen weiter auf die Tasten, als wollte sie demonstrieren, wie verbissen sie ihre Lebensstelle zu sichern bereit sei. Als er vor dem Gebäude den Fussgängerstreifen überquerte, fuhr ihn ein Auto beinahe über den Haufen; durch die Windschutzscheibe sah er Christs hämisches Grinsen.

Weil Michael hier nur halbtags arbeitet, dies freilich schon während etlichen Jahren, fühlt er sich im Kreis der ganztags Beschäftigten immer ein wenig verloren. Dankbar erlebt er die Ankündigung des Fototermins einige Tage zuvor während einer Kaffeepause vor versammelter Belegschaft; der Museumsdirektor scheint ihn nicht auszuschliessen. Kurz vor dem Eintreffen der Fotografin bindet sich Michael eine Krawatte um, um besonders adrett auszusehen - eine für ihn atypische Anwandlung von Koketterie.

Die Fotografin bittet ihn, etwas übers Museum zu erzählen, was Michael vermuten lässt, davon erhoffe sie sich eine Lockerung seiner verspannten Gesichtsmuskulatur. Überlebende Bürger, durch rechtzeitiges Besteigen einer aus dem Wasser ragenden historischen Stadtmauer dem Ertrinkungstod entkommen, zogen die beunruhigenden fremden Wesen ins Trockene. Dann ordneten und beschrifteten sie sie mit vernünftigen Bezeichnungen.

Hierauf setzten sie sie in Kondensgläser und hängten sie in Rahmen, um sie dergestalt in einem eigens dafür geschaffenen Museum der Nachwelt Wo werden Richter Schuhe hergestellt? erhalten. Erst mit dem Vorbeirauschen der Jahre fiel auf, dass die fremdartigen, doch jetzt ordentlich benannten Wesen sukzessive Blicke entwickelten, die auf den Museumsbesuchern zu ruhen begannen. Als Ausstellungsobjekte verdächtigt liessen die Bürger das Museum schliessen.

Nur wenige Wochen später erfährt er, dass der Aufwand vergeblich war: Erste Exemplare des neuen Prospekts werden verteilt, und Michael sucht vergeblich nach dem Foto, das ihn beim Erzählen seiner irrealen Geschichte zeigt. An der Vernissage zur Wechselausstellung, an welcher der neue Prospekt der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll, verrät ihm die ebenfalls eingeladene Fotografin während des Apéros im Museumsfoyer, sein Porträt habe man auf ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers - also des Museumsdirektors - bei der Gestaltung des Prospekts absichtlich nicht berücksichtigt.

Also doch kein vollwertiges Produkt. Michaels Freude ist nun endgültig verflogen. Er verspürt auch keine Lust mehr, bis zu der zu erwartenden knorrigen Ansprache des Museumsdirektors auszuharren. Noch während drei Musikerinnen ihre Instrumente für ein kleines Begrüssungskonzert stimmen, schleicht er sich aus dem Foyer, wo sich die Vernissagegäste eng drängeln, und verzieht sich ins ihm vertraute Museumsarchiv, wo er sich am langen Tisch niederlässt, auf dem seit Tagen vergilbte Dokumente aus dem Nachlass eines verstorbenen Donators auf Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

harren. Hier lauscht er den Musikklängen der drei schönen Frauen, die im Foyer ihr Konzert zelebrieren. Dabei fällt sein Blick durchs Fenster auf das Dach eines Nachbarhauses, wo auf einer Fernsehantenne zwei grosse schwarze Vögel sitzen, die ihn durch die Glassscheibe zu beobachten scheinen. Michael hebt die Hand wie zum Gruss, steht auf und beginnt zur Musik zu tänzeln. Zärtlich, geradezu verzückt bewegt er sich durchs Museumsarchiv.

Während er innehält und wieder hinaussieht, bemerkt er, wie sich die Raben flügelschlagend im Takt der Musik zu drehen beginnen. Eine Frauenstimme holt ihn aus seiner Verzauberung. Sie feiern ganz alleine hier. Dann weist er der Frau, an deren Brust eine Leica hängt, galant lächelnd den Weg zur Toilette.

Nachtarbeit V on Felix Feigenwinter Beat Vaterlaus trifft keinen Menschen mehr im Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Stock des Verlagshauses, wo er sich nach einem hektischen Tag in Konferenzzimmern und auf Reportagefahrt in sein Redaktionsbüro verkriecht. Der Papierkorb ist bereits geleert, und die glänzende Platte des Schreibtischs mit dem blanken Aschenbecher verrät, dass das Büro geputzt wurde. Er stellt sich vor, wie Frau Angst in einem der unteren Stockwerke herumwischt - eine unverheiratete Frau, die zuhause für eine Tochter zu sorgen hat.

Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Gedanken daran beschleicht ihn etwas wie schlechtes Gewissen: Geisterhaft taucht das Gesicht der Putzfrau vor ihm auf dieser schmerzliche flackernde Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, der ihm letzte Woche im Traum erschien, aus dem er in tiefer Nacht zitternd aufschreckte - eine Verwirrung, nach deren Bedeutung er vergeblich rätselte ; aber wie so oft verwischt er das Unbehagen über fremden Kummer, indem er sich in die aparten Sorgen seiner eigenen Existenz vertieft.

Der Nachtredaktor würde viel später, gegen Mitternacht, eintrudeln; so würde er, schätzt Vaterlaus, ungestört arbeiten können. Aus Erfahrung weiss er, dass er sich nach zwei, drei Stunden nach Ruhe sehnen wird. Heute, so rechnet er sich aus, würden zwei Stunden genügen, um die Arbeiten zu erledigen, die er sich vorgenommen hat. Da sieht er den gelben Zettel, den ihm Frau Hasenfratz, die Redaktionssekretärin, auf die Agenda gelegt hat.

Für den Besuch der Pressekonferenz des Frauenschutzvereins von heute abend habe kein Berichterstatter gefunden werden können; wenn die Sache wichtig sei, könne vielleicht er selbst hingehen - sonst wolle sie morgen vom Frauensekretariat Unterlagen anfordern oder telefonisch recherchieren, teilt Frau Hasenfratz mit.

Vaterlaus spürt sein Herz hämmern. Einen Herzinfarkt will er nicht erleben, nicht jetzt, nicht hier. Mit ihm hat dieses Büro doch eigentlich nichts zu tun! Lieber möchte er auf einem Spaziergang sterben, in einer Landschaft, wo Sonnenlicht oder Mondschein Baumschatten werfen. Während der heutigen Mittagspause, die lächerlich kurz war, ist ihm wieder bewusst geworden, wie öd die Gegend geworden ist, wo er aufwuchs. Die einst grün bewachsene Erde, auf der er unter Bäumen spielte, ist zubetoniert, asphaltiert.

Persönliche Erinnerungen, Gefühle werden weggeplant. Die zarten Frühlingsmorgen, die schattigen, beglückend trägen Sommernachmittage - man hat sie zerstört. Die nachdenklichen Herbste, die stillen Wintertage - ausradiert. Ein Stück seiner Seele hat man gerodet. Er steht auf, geht zum Fenster und starrt durch die Gardinen in die Hinterhöfe, auf die gegenüberliegenden Hausdächer, die er vergeblich nach Schnee absucht.

Viele klagen über Kopfschmerzen und Depressionen, auch die Redaktionssekretärin. Gierig atmet er die Abendluft ein. Er erinnert sich an die Kindheit; an knöchelhohen Schnee, durch den er zur Schule watete. An Schlittenfahrten, an die schmerzend kalten Füsse und Hände, die er zusammen zuhause mit seinen Geschwistern am Kohlenofen aufwärmte.

Dann kehrt er zum Schreibtisch zurück. Das Fenster steht sperrangelweit offen, und über den Dächern hasten Wolken vorbei; trotzdem fühlt er sich erhitzt. Er zieht seine Jacke aus und hängt sie über die Stuhllehne, versucht, sich zu erfrischen, indem er die Luft, die durchs Fensterloch ins Büro strömt, langsam und tief einsaugt.

Dabei kommt er sich wie ein Waldläufer vor - eine Vorstellung, die ihn erheitert. Vaterlaus beginnt, den Schreibtisch aufzuräumen. In zwanzig Minuten beginnt die Pressekonferenz des Frauenvereins; da wird er selber hingehen: er delegiert schlecht, er ist kein Chef.

Mit hochgeschlagenem Mantelkragen und einem Mäppchen unter dem Arm hetzt er aus dem Verlagshaus und taucht in den Abend, der nichts Winterliches an sich hat. Hoch über der Stadt wird eine Wolke zerrissen; es erscheint ein grosser runder Lampion, dessen weisslicher Schein sich auf der Glasscheibe eines auf einen mittelalterlichen Turm gerichteten, nicht eingeschalteten Scheinwerfers spiegelt.

In einer Häuserschlucht, durch die er jetzt geht, nähert er sich drei Frauen, die an einer Strassenkreuzung warten. Einige Häuser weiter, in der Parallelgasse, betritt er einen Gang und klopft an eine Tür; dahinter erwarten ihn die Damen des Frauenschutzvereins. Zu seiner Überraschung dauert die Pressekonferenz nicht viel länger als eine halbe Stunde.

Als einziger Mann inmitten einer kleinen femininen Zuhörerschaft lauscht er den anklagenden und entschlossenen Worten zweier Frauenrechtlerinnen über die Prostitution weiblicher Sexualität.

Die Schilderungen über die Schwierigkeiten von unverheirateten und geschiedenen Müttern und deren Kindern machen ihn sprachlos. Für einen Moment versinkt er in Erinnerungen an seine frühere Frau, von der er längst geschieden ist; dann fühlt er sich zunehmend müder, ausgelaugt, so dass Wo werden Richter Schuhe hergestellt? das abschliessende Diskussionsangebot zu seinem eigenen Bedauern ungenützt verstreichen lässt.

Wieder auf der Strasse, sucht er vergeblich nach dem Mond zwischen den Wolken. Traumwandlerisch, wie auf der Flucht, irrt er durch einen Eingang, aus dem der Gesang von Billie Holliday weht. An der Bar bestellt er einen Zweier Weissen. Verklemmte Männerblicke treffen ihn durch Zigarettenqualm; ein Betrunkener pöbelt die Bardame an.

An der Theke erkennt er unter einer Gruppe anderer Frauen die Gestalten, die er auf dem Weg zur Pressekonferenz gesehen hatte; wieder grüssen sie ihn. Dann, unerwartet, das abgehetzte Gesicht von Frau Angst, ihr verletztes Lächeln; im schummerigen Licht des Wo werden Richter Schuhe hergestellt? wirkt es weicher als sonst. Zuerst weicht ihr Blick wie erschrocken aus; nachher scheint sie ihm zuzunicken; die Bestürzung bleibt. Vaterlaus bezahlt, verlässt die Theke und verabschiedet sich mit einer versteckten Handbewegung.

Er verscheucht den ihm unangenehmen Gedanken, Frau Angst verdiene ihren Lebensunterhalt nicht nur als Putzfrau, sondern auch als Prostituierte da er sie an der Bar eben gesehen hat, stellt er sich vor, dass sie vielleicht wie er nach der Arbeit zufällig hierhin geraten sei. Zurück im Redaktionsbüro versucht er zu vermeiden, weiterhin an Frau Angst zu denken. Er spannt ein Blatt Papier in die Schreibmaschine und will sich auf die Pressekonferenz konzentrieren, um den Bericht für die morgige Ausgabe zu schreiben.

Ein Würgen verhindert die Arbeit; ein Weinkrampf überwältigt ihn - ein kurzes heftiges Heulen durchdringt die Bürokammer. Als er wieder in seine Rolle zurückzufinden sucht, staunend in seine Einsamkeit hineinhorcht, bemerkt er, dass das eingespannte Papier, über das er seinen Kopf gebeugt hat, tränennass ist, aufgeweicht, ungeeignet, getippte Buchstaben aufzunehmen. Vaterlaus erhebt sich, geht zum Schalter neben der Tür und knipst das elektrische Licht aus.

Es drängt ihn, im Dunkeln zu Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, eins zu werden mit der Finsternis. Doch wie er sich zum Schreibtisch zurücktasten will, überrascht ihn der Schein des Monds, der über milchig schimmernde Dächer geradewegs zu ihm ins Büro schimmert.

Der Baggerführer Von Felix Feigenwinter Mit seiner Höllenmaschine verwandelte er die Schrebergärten hinter dem Verwaltungsgebäude innert weniger Tage in abgrundtiefe Erdlöcher. Einmal, es war ein kühler Herbsttag, Wo werden Richter Schuhe hergestellt? er zum Fenster hinein, ob sie ihm einen Kaffee machen könne. Lachend erwiderte sie, ausnahmsweise, ja, aber sie sei nicht seine Serviertochter. Seither kam Max jeden Morgen. Er plauderte mit ihr, und Frau Studer reichte ihm in einer Plastiktasse dampfenden Kaffee durch den Fensterrahmen.

Sie bewunderte sein ungestümes und doch so zielstrebiges Wirken, staunte, mit welcher Fertigkeit er immer tiefere Löcher grub insgeheim verglich sie ihn mit einem Maulwurfmit welch' atemberaubender Schnelligkeit er sein Raupenfahrzeug knapp an den Abhängen vorbei zu den Lastwagen Wo werden Richter Schuhe hergestellt? und seine Fracht mit subtilen Hebelbewegungen auf die Ladepritschen kippte, die Erde mit der Riesenschaufel noch zusätzlich tätschelte, bevor die schweren Autos davonfuhren.

Max schien der König der Baustelle zu sein, aber er erinnerte sie auch an ein Kind, das im Sandkasten spielte. An späten Nachmittagen, nachdem er dem Bagger entstiegen war, betrachtete er händereibend und vergnügt vor sich hinpfeifend sein Tagewerk. Er öffnete eine neue Flasche Bier, einen Schoppen, den er auch während der Arbeit oft in der linken Hand hielt und an dem er von Zeit zu Zeit genüsslich nuckelte.

Eines Abends, es war tiefer November und draussen kalt und bereits dunkel, klopfte Max ans Bürofenster. Frau Studer öffnete es, und er fragte, ob sie am nächsten Wochenende schon etwas vorhabe.

Nein, log sie; sie hatte beabsichtigt, einen Teppich zu kaufen und Vorhänge zu nähen. Am Freitagnachmittag nahm sie frei, und sie fuhr mit Max in eine für sie fremde Stadt. Hinter einer fahlen Nebeldecke hing die Sonne tief und bleich am blassgrauen Himmel; es schien, als ob sie erfroren wäre: Nicht einen Schimmer von Gelb oder Rot schien sie auszustrahlen. Mit geheimnisvollem Lächeln führte Max Frau Studer in eine von gigantischen Scheinwerfern beleuchtete Riesenhalle, wo auf einem Holzoval buntgekleidete junge Männer auf Zweirädern um die Wette flitzten.

Frau Studer versuchte, sich die Gesichter der Rennfahrer zu merken, aber mit den Sturzhelmen glichen sie einander. Max war besorgt, ihr die Regeln des Rennens zu erklären und den einen oder anderen der Akteure nahezubringen, und schliesslich erzählte er, einst habe er selber Velorennen gefahren, auch Siege gefeiert. Am nächsten Montagmorgen hatte der Reif die Erde überzogen, und dichter Nebel verschleierte die Baustelle. Wegen der schwierigen Sicht wurde mit Lichtern gearbeitet. Frau Studer sass am Computertisch und starrte wie ein Fisch im Aquarium durchs Fensterglas.

Der Bagger war in die Tiefe gekippt. Als man den schwer verletzten Max in den Krankenwagen trug, umklammerte seine linke Hand immer noch den Bierschoppen.

In der Mittagspause eilte Frau Studer ins Kantonsspital. Max war nicht mehr zu sprechen. Kurz nach der Einlieferung in die Notfallstation sei er gestorben, bedauerte der diensttuende Arzt; niemand habe es verhindern können. Die von Max gegrabenen Erdlöcher sind inzwischen mit drei grossen Mehrfamilienhäusern ausgefüllt worden.

Zwischen den Blöcken wurde Rasen angesät; dort hat man Spielplätze eingerichtet. In den Sandkästen tummeln sich nun Kinder, die Löcher graben, Plastikeimer füllen und kunstvolle Sandhaufen mit Wo werden Richter Schuhe hergestellt? kleinen Schaufeln sorgsam tätscheln. Darumherum kreisen kleine Rennfahrer auf ihren Drei- und Zweirädern.

Frau Studer betrachtet die Spiele durchs Bürofenster. Im glitzernden Schein der Nachmittagssonne versickert die Wirklichkeit. Die Psychiaterin, eine feine Person, mit der er kultivierte Gespräche führte, wohnte zwar im Stadtteil, wo auch Sebastian domiziliert war, doch hatte sie vor einiger Zeit die Praxis eines Kollegen übernommen, der Opfer eines Verkehrunfalls geworden war. Ein Auto hatte den Velo fahrenden Arzt, der zur Arbeit radelte, gerammt und auf die Strasse geschleudert.

Dabei verletzte sich der Psychiater der keinen Sturzhelm trug so schwer am Kopf, dass er das Unglück nicht überlebte. Während der Fahrt über die Brücke erlebte Sebastian Seltsames: Als er aus dem Tramfenster auf den breiten Fluss hinaussah, erspähte er in der Ferne des nordwestlichen Horizonts die strahlende Morgensonne.

Das war sehr wundersam, denn es war wie gesagt Morgen, viertel vor zehn, wie Sebastian mit Blick auf seine Armbanduhr feststellte, und er nahm selbstverständlich an, dass die Sonne auch heute im Osten aufgestiegen sei; warum also erschien sie, so früh am Tag, bereits in der entgegengesetzten Himmelsrichtung, zudem über dem Hochkamin der städtischen Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, wohin sie sich noch nie verirrt hatte, übrigens auch abends nie, wenn sie sich, weiter im Westen, den Blicken zu entziehen begann?

Irritiert wandte sich Sebastian von der rätselhaften Erscheinung ab und spähte in die andere Richtung aus dem Nachbarfenster flussaufwärts, und siehe da: Auch hier stand der Feuerball am heiterblauen Himmel, am südöstlichen Horizont! Allmählich begriff Sebastian, dass er eine Täuschung erlebte: Die Morgensonne schien durchs südöstliche Fenster und spiegelte sich in der nordwestlichen Glasscheibe, die den Blick auf den Hochkamin der Kehrichtverbrennungsanstalt freigab, so dass der Fahrgast den Eindruck erhielt, er würde gleichzeitig von zwei Sonnen bestrahlt.

Diese Erklärung befriedigte Sebastian intellektuell, beruhigte seine Vernunft, aber er stellte fest, dass seine Gefühle von der Ernüchterung unberührt blieben: Das Erlebnis, von zwei Sonnen gleichzeitig beschienen worden zu sein, erfüllte ihn mit einer Wärme und Stärke, wie er sie in seinem bisherigen Leben noch nie gespürt zu haben glaubte.

Als er zehn Minuten später vor dem Haus stand, wo die Psychotherapeutin praktizierte, war er zuversichtlich, dass er sich dieser Dame, deren einfühlsame, warmherzige Art er so sehr schätzte und für die er dankbaren Respekt empfand, sich heute besonders würdig erweisen könnte, denn er empfand zum erstenmal, seit er sie regelmässig besuchte, jene Ausgeglichenheit und Ruhe, die er sich immer gewünscht Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, um der liebevollen Zuwendung seiner Therapeutin Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

entsprechen. Zwar hatte er sich stets bemüht, die Aerztin, die seine Seelenschmerzen so wohltuend zu lindern verstand durch ihr aufmerksames Zuhören, ja durch ihre blosse Anwesenheit, vor Einblicken in die düsteren Abgründe seiner Seele zu verschonen; stets war er Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, den netten Gesprächsstil aufrechtzuerhalten, und er vermied es, die höflichen Umgangsformen und die angenehme Atmosphäre durch finstere Andeutungen oder gar Ausbrüche der Verzweiflung zu zerstören.

Heute nun, so schien ihm, würde ihm das leicht gelingen, denn er fühlte sich sonderbar erleuchtet. Wie immer bei seinen Besuchen öffnete die Psychiaterin die Haustür, indem sie den automatischen Türöffner mit Druckknopf von der Praxis aus betätigte, nachdem Sebastian draussen geläutet hatte, und sie blieb vorerst auch unsichtbar, nachdem er ihr Reich im zweiten Stockwerk durch die offene Praxistür betreten hatte.

Nun wusste er, dass er sich ins Wartezimmer zurückzuziehen Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, da ein anderer Patient die Therapeutin noch davon abhielt, sich dem Neuankömmling schon widmen zu können. Die Tür des Warteraums stand wie immer weit offen, was normalerweise keine Beeinträchtigung der Diskretion bedeutete, da sich zwischen diesem Zimmer und dem Therapieraum noch eine Bürokammer befand, wo die Aerztin ihre administrativen Arbeiten erledigte, und ausserdem die Toilette, die Sebastian bisher nie benützt hatte.

Heute aber drang eine laute, unheimlich zornige Männerstimme aus dem Sprechzimmer. Warum, fragte sich Sebastian mit wachsendem Entsetzen, empfing sie solche aggressive Grobiane, da sie sich doch ohne Arztgehilfen, der den Leibwächter hätte spielen können, ungeschützt in ihrer Praxis aufhielt? Da sich der Unbekannte keineswegs zu beruhigen schien, sondern seine Drohungen mit anschwellendem Geschrei wiederholte, entschloss sich Sebastian, der Therapeutin zu Hilfe Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

eilen. Mit einer Entschlossenheit, die ihn nachträglich selber verwunderte, stürmte er aus dem Wartezimmer zur Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, hinter der die unerträglichen Verbalattacken des tobenden Patienten unvermindert anhielten, und er Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

energisch an die Tür. Der Wüterich verstummte, und da Sebastian von der Aerztin keinen Laut vernahm, was ihn zu den schlimmsten Befürchtungen veranlasste, riss er die Türe auf.

Die Aerztin sass hilflos in ihrem Therapeutensessel, derweil der Tobian, ein grobgliederiger, knochiger, bärtiger Riese, mitten im Raum stand, mit langen Armen herumfuchtelte und seine grossen, robusten Hände schliesslich zu einem Würgegriff formte, als ob er auf die Verängstigte sogleich wie ein wildes Tier losspringen wolle. Diese Dame will Ihnen Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, aber Sie beschimpfen und bedrohen sie!

Ihr Verhalten ist unwürdig und unehrenhaft! Als Herkules sind Sie verpflichtet, die Dame zu beschützen! Nachdem zuerst zwei uniformierte Polizisten die Praxis betreten hatten und etwas später die Ambulanz eingetroffen war im Gegensatz zum feingliederigen Sebastian, der sich als Bodyguard schlecht eignete, ebenfalls zwei kräftige Männerwurde der wilde Mann wegtransportiert.

Im Bestreben, seiner Therapeutin nach der überstandenen Aufregung nun etwas Ruhe und Erholung zu gönnen, und weil er glaubte, die Zeit seiner Therapiestunde sei inzwischen abgelaufen, verabschiedete sich Sebastian, ohne von seinem Erlebnis auf der Brücke mit den zwei Sonnen erzählt zu haben, was er sich eigentlich vorgenommen hatte. Erst als er, ein heiteres Liedchen vor sich hinpfeifend, durch das Spätmorgenlicht zur Tramhaltestelle schlenderte, fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, sich einen Termin für die nächste Sprechstunde geben zu lassen.

Und er fragte sich, ob ihm die Aerztin für seinen heutigen Besuch auch eine Rechnung schicken würde, obwohl sie mit ihm gar kein Therapiegespräch geführt hatte. Aber Wo werden Richter Schuhe hergestellt? würde sich klären.

Familienausflug Von Felix Feigenwinter Herr und Frau Busenhart unternehmen einen Sonntagsausflug mit ihrer einzigen Tochter Monika, die seit dem Tod ihres Kindes aus der elterlichen Wohnung ausgezogen ist. Die kleine Familie wandert nach einer stummen Kletterei über einen steilen Waldweg an weidenden Kühen vorbei über eine Wo werden Richter Schuhe hergestellt? weite, von Sonnenlicht überflutete Hochebene, über die ein kühler Wind weht.

Während einer Rast in einem Bergrestaurant entnimmt Monika ein gelbes Päcklein ihrer Ledertasche, die sie von der Mutter zu Weihnachten geschenkt bekam, und zieht daraus eine Zigarette, die sie sich zwischen die Lippen klemmt.

Die Dame, die das Tier an einer Leine hält, fragt er, ob sie einen Waffenschein besitze. Die Hundebesitzerin zeigt sich gekränkt; offenbar erteilt sie dem Tier nun heimlich den Befehl, in des Vaters rechte rote Wollsocke zu beißen, was diesen veranlasst, mit seinem Spazierstock gegen den Hund zu sticheln.

In der Halle des Hauptbahnhofs, in den der Zug einfährt, erheben sich die Ankömmlinge mit steifen Blicken. In Einerkolonne verlassen sie den Eisenbahnwagen, in einen Menschenstrom eintauchend, der sich anarchisch durch die Bahnhofskanäle wälzt.

Draußen sondert sich Monika fast wortlos von ihren Eltern ab und eilt zu ihrer Zweizimmerwohnung. Sie wird, wie oft um diese Zeit, von Störchen überholt, die entlang der Strasse wenige Meter über der elektrischen Tramleitung dem zoologischen Garten zustreben.

Vor dem Haus bleibt Monika stehen und sieht einen Schwarm Krähen, der nordwärts zieht. Sie wartet und stellt sich vor, einer der schwarzen Vögel würde zu ihr herunterstürzen, um ihr eine Botschaft ins Ohr zu krächzen. Es geschieht aber nichts dergleichen; der Schwarm flattert hoch über den Dächern den Bergen zu. Endlich in der Wohnung angekommen, zieht sich Monika sogleich ins Schlafzimmer zurück, wo sie sich schnell entkleidet und erschöpft aufs Bett fällt.

Das kräftige spitze Messer kommt ihr in den Sinn, das noch im ersten Besteckfach in der obersten Küchenschublade liegt. Es wäre an der Zeit, es verschwinden zu lassen; vielleicht wirft sie es morgen auf dem Weg ins Büro in den Fluss. Sie steht an einem Dachfenster und sieht in einen Garten. Die alte Frau, die im Garten an einem Tisch sitzt, droht in der Dämmerung zu versinken. In der Ferne geistern zwischen Baumgerippen Lichtkolonnen.

Die alte Frau erhebt sich, reckt den Kopf und verharrt lauschend. Auf einmal beleuchtet grelles Scheinwerferlicht den Kiesweg, die Grasmatte schimmert; Monika hört im Traum Kies knirschen.

Die alte Frau zeigt mit ausgestrecktem Arm gegen den in den Garten rollenden Wagen. Auf dessen Kühlerhaube liegt ein blutverschmiertes Kind, Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

schwerverletztes oder totes Mädchen, das wie eine Trophäe in den Garten geschoben wird. Monika schreit — und erwacht. Während Wochen schlitzte Monika mit dem Messer, das sie in einem Warenhaus günstig erworben hatte, die Pneus parkierter Autos auf. Aber niemand konnte das Pneustechen verhindern, geschweige denn Monika als Täterin entlarven.

Die Eltern verhalten sich ahnungslos. Inzwischen ist sie zur Ruhe gekommen. Sie hat die Zerstörung des Kindes gerächt. Nur ihr Psychiater weiß Bescheid; im Schutz seines Arztgeheimnisses wähnt sie sich geborgen.

Besuch in einer Klinik Von Felix Feigenwinter An jenem Morgen hätte Mirjam von der Klinik aus zur Arbeit gehen sollen; eine Sozialarbeiterin hatte ihr eine Halbtagsbeschäftigung im Büro eines Museums vermittelt, aber ein erneuter Wo werden Richter Schuhe hergestellt? mit schweren Herz-Kreislaufstörungen hatte sie ans Bett gefesselt. Als Mirjams Mutter das Zimmer betrat, in dem sich die Tochter seit mehreren Monaten betreuen ließ, traf sie diese schlafend. Sie zog das mitgebrachte Geschenk aus einer Plastiktüte und hängte den kornblumenblauen Rock über die Lehne eines der beiden Stühle im Zimmer.

Etwas später erwachte die Patientin und verwechselte den Besuch vorerst mit einer Arztvisite; allmählich dämmerten ihr die Zusammenhänge. Ihr Zuhause sei woanders, antwortete die Tochter mit unerwartet klarer Stimme, und ihr verschleierter Blick schien durch das Fenster über eine alte Eibe zu schweifen, die am Rande des großen Gartens im Schatten eines Kastanienbaums stand.

Ob sie das blaue Kleid gesehen habe, erkundigte sich daraufhin die Mutter, und sie nannte den Ort, wo sie das Geschenk gekauft habe, und die Tochter lächelte matt. Nun betrat ein jüngerer Mann das Krankenzimmer, wo unerwartet still die Besucherin im Sonnenlicht am Fenster saß. Sie berührte die entgegengestreckte Hand nur kurz. Wo werden Richter Schuhe hergestellt? fragte die sich seitwärts aufrecht stützende Tochter, ob die Tabletten schon wirkten, wobei er, so dünkte es die Mutter, auf eine Antwort ebenso Wert zu legen schien, wie er auf sie zu verzichten wünschte.

Er sei übers Wochenende abwesend, stellte er in Aussicht, statt seiner würde dann eine Frau Rebhuhn oder ähnlich auftreten. Nachdem der Mann das Zimmer verlassen hatte - nicht ohne Mirjam eingeschärft zu haben, Besuche jederzeit abzulehnen, falls sie sie Wo werden Richter Schuhe hergestellt? wünsche was die Tochter zur lebhaften, jedoch kraftlosen Beteuerung veranlasste, die dort sitze, sei ihre Muttertrat diese ans Bett der Kranken und erwähnte, ihr Hausmitbewohner sei letzte Woche gestorben.

Dabei veränderte sich ihr Gesicht in einer Weise, wie die Mutter es noch nie erlebt hatte. Die Mutter verließ das Zimmer, Wo werden Richter Schuhe hergestellt? durch einen schmalen Gang in den Klinikgarten und näherte sich schreienden Vögeln und geheimnisvoll lächelnden Patienten.

Wenig später bestieg sie einen Bus, der sie an eine andere Peripherie der Stadt bringen sollte. Mit aufgerissenen Augen suchte Mirjam die Wand ab. Sie fand das Plakat, das ihr vor einiger Zeit ein Herr Mors geschenkt hatte. Mirjam kuschelte sich zur Seite und spürte, wie die Dämmerung sie zu umhüllen begann.

Bevor sie das Bewusstsein ganz verlor, erspähte sie die dunkle Gestalt einer Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, die täglich übers Fenstersims vor ihrem Zimmer strich. Gebannt nahm sie wahr, dass das Tier eine Amsel in der Schnauze trug. Mit letzter Konzentration versuchte sich Mirjam das allmähliche Verstummen der Vogellieder aus dem Klinkgarten vorzustellen. Indessen begannen andere Geräusche die einsetzende Stille auszufüllen: hemmungsloses Fauchen und die unverschämt deutlichen Stimmen klagender Säugetiere, schauerlich wie das nächtliche Heulen aus den Familienblöcken am Rande der Stadt.

Ein Psychiater sagte mir: 'Sie reiben sich an der Realität'. Damit hat er die Problematik natürlich verniedlicht. Aber das tun alle Psychiater. Er erzählte ihr von seiner Angst, in der Wohnung im Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Stock eines Hochhauses sterben zu müssen, in die er kurz nach seiner Verehelichung eingezogen sei.

Nicht vor seinem Tod an sich habe er sich gefürchtet, oh nein, der ängstige ihn nicht. Gepeinigt habe ihn die Vorstellung, sein Leichnam hätte vom elften Stockwerk zur Erde getragen Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

müssen. Da er seit langem herzleidend sei und zudem an Asthma leide, habe er sich nur noch durch den Auszug aus dieser Wohnung retten können. Seine Frau habe ihm die Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

übel genommen. Und der Transport im Lift war noch unvorstellbarer. Der Lift war so eng, dass nicht einmal zwei vollschlanke Erwachsene darin unbedrängt Platz gefunden hätten, geschweige denn ein auf einer Bahre ruhender Toter.

Es war für mich eine Zumutung von Würdelosigkeit, der ich mich entzog. Trotzdem las ich ihm eine Geschichte vor, die ich vor einigen Jahren geschrieben habe.

Nach einem halbjährigen Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik habe er die Matura nachgeholt, habe Philosophie zu studieren begonnen und dazwischen immer wieder als Aushilfe in einer Zeitungsredaktion gearbeitet; da habe man ihn für Vertretungen von Militärdienst leitenden Korrektoren und Redaktoren gebraucht.

Aber seit langem sei er arbeitslos, und heute lebe er von einer Invalidenrente. Er musterte sie mit seinem traurigen Reptilienblick, und mit heiserer Stimme fragte er, ob sie die Geschichte hören wolle. Die Frau bejahte, denn plötzlich war ihr abenteuerlich zumute.

Mit geducktem, ruckartigem Gang verschwand Fabian aus dem Café, um nach wenigen Minuten zurückzukehren, ein mit nervöser Schrift bekritzeltes Toilettenpapier in der Hand schwenkend.

Die Geschichte, die er seiner Zuhörerin vorzulesen begann, hörte sich verständlich an. Diese senkte den Blick, weil sie dachte, jetzt will er mir vielleicht meine eigene Geschichte erzählen, und das stimmte sie verlegen.

Zuhause meldete sie sich bei der örtlichen Zivilschutzorganisation, und ihr gestörtes Verhältnis zur Wirklichkeit begann sich zu klären.

Bereits im Einführungskurs, wohin sie nach einigen Monaten einzurücken hatte, hörte sie, die Pulverisierung von Menschen sei auch in Schutzanzügen und Zivilschutzkellern möglich im Falle eines Nuklearangriffs, auf den es sich vorzubereiten gelte. Der Kursinstruktor, ein flotter jüngerer Mensch, beruhigte indes, es gäbe auch durchaus friedliche Störfälle, auf die einzustellen sich lohne.

Hierauf ergriff der Instruktor eine Schutzmaske und stülpte sie sich übers Gesicht; alsdann forderte er die Kursteilnehmer auf, es ihm gleichzutun. Es war ein bewegter Samstagmorgen.

Die Frau saß in der Küche ihrer Mietwohnung im elften Stock eines Hochhauses am Stadtrand. Soeben hatte eine Stimme Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Radio die Zehn-Uhr-Nachrichten verlesen.

Die Frau las das Aufgebot wie abwesend; dann faltete sie das Papier zu einem Spielzeugflugzeug und trat damit auf den Balkon, wo sie es dem Wind überließ.

Inmitten Wo werden Richter Schuhe hergestellt? wild aufgewirbelten Baumblättern schoss es in die Weite Es verstrichen nur wenige Sekunden, bis die Frau aufs Balkongeländer kletterte. Unbeachtet von den in ihre Wohnungen verkrochenen Nachbarn fiel sie in die Tiefe. Sie stürzte schnell und leicht, und ihr Rock flatterte wie eine Fahne im Wind.

Doch nun hob ein Sturm an.

Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Blumentöpfe zerbrachen, und vielerorts klirrte Glas. Peter Wolfer, sogleich zu seinem Vorteil auszunützen verstand. So wurde Herrn Krebsens Bemühung, eine seit Jahren unausgesprochene Problematik zur Sprache zu bringen, wieder einmal im Keime erstickt, umso mehr, als Dr.

Wolfer seinem Gegenüber jetzt ein Kräuterbonbon anbot. Er fischte es mit gespreizten Fingern aus einem feingeflochtenen Körbchen, das sich auf dem etwas protzigen Präsidentenschreibtisch hinter den sich wild auftürmenden Aktenbergen wie etwas Fremdes, Frivoles versteckt hielt. Obwohl Herr Krebs Süßigkeiten sonst mied, bemühte er sich, der Geste seines Vorgesetzten gerecht zu werden, indem er das Bonbon beinahe feierlich in den Mund steckte. Vorsichtig lutschend schöpfte er, noch während ihn der Präsident mit einem blitzenden Redeschwall bombardierte, den Verdacht, sich versehentlich respektlos zu benehmen, da sich Dr.

Wolfer doch vielleicht keinen Kanzlisten wünschte, der wichtige Anweisungen bonbonlutschend entgegennahm. Diese Vorstellung quälte ihn so sehr, dass er schließlich zum Gedanken Zuflucht nahm, Dr. Wolfer habe ihm möglicherweise das Bonbon angeboten in der Absicht, ihm damit den Mund zu stopfen. Wenig später verließ Herr Krebs das Büro des Präsidenten korrekt, mit einer leichten Verbeugung die Dr.

Wolfer für lächerlich, wenngleich angemessen halten mochteWo werden Richter Schuhe hergestellt? jedoch blutete er; sein frisch verwundeter Stolz, seine zerknirschte, in heillosem Groll bebende Seele verdunkelte seinen Gang zurück in die von einem grauen Montagmorgen fahl erleuchtete Kanzlei.

Dort ging er eine Zeitlang Wo werden Richter Schuhe hergestellt? auf und ab, bis ihn das Schrillen des Telefons erschreckte. Innerlich immer noch bebend riss er den Hörer ans Ohr; er hörte eine Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, es war Frau Wolfer, die Gattin des Präsidenten, die mit ihrem Mann sprechen wollte, wie oft schon hatte er diese Verbindung hergestellt, ohne seine wahren Gefühle zu offenbaren; zum erstenmal verstellte er sich nicht.

Er sah auf die Kanzleiwand, wo früher Gerichtswitze hingen, aus Zeitungen ausgeschnitten, die sein längst pensionierter Vorgänger gesammelt und aufgehängt hatte. Wolfer hatte ihre Beseitigung verfügt, da in einem öffentlich zugänglichen Amtsraum, wie er erklärte, keine Karikaturen zu dulden seien.

So blieb als einzige Belebung an der Wand ein Gemälde, eine Leihgabe des kantonalen Kunstkredits, wie die Aufschrift auf dem Schild am Rahmen des Werks verriet. In der ersten Zeit seines Kanzleidaseins hatte Herr Krebs befürchtet, das Bild würde ihm entführt, etwa im Zusammenhang mit einer Museumseröffnung, oder weil ein hoher Chefbeamter die Gabe im eigenen Büro aufgehängt wissen mochte.

Mit den Jahren lernte er, diese Angst zu bezähmen. Das Bild war mittlerweile Bestandteil seiner Seele geworden; es begleitete ihn über Mittag, wenn er in einem kleinen Restaurant in der Nähe einen Imbiss zu sich nahm, und abends in seine Junggesellenwohnung am Stadtrand. Die freien Wochenübergänge und die Ferien verbrachte er selten auswärts, da er sich in der Stadt wie ein Fötus eingenistet hatte. Jede Verpflanzung, auch nur eine vorübergehende, gefährdete sein Gleichgewicht.

Die Kanzlei im Stadtzentrum war zu einem Tabernakel geworden; schon in seiner eigenen Wohnung an der Peripherie fühlte er sich wie abgeschoben, verloren. Unauffälliger Kontakt zu Andrea, der Gattin des Präsidenten, war ohnehin nur in der Kanzlei möglich, durchs Telefon, wo er die Stimme dieser wunderbaren Frau, die er mit den Jahren wie eine Ikone verehrte, mit der Stimme des Präsidenten verband.

Wenn sie - selten genug - in der Kanzlei erschien, um ihren Gatten abzuholen, fühlte Herr Krebs ihren geheimnisvoll-leuchtenden, sanft wissenden Blick auf sich ruhen. Wo werden Richter Schuhe hergestellt? naturhaft-schöne, herbe Dame erinnerte ihn manchmal nebelhaft an seine zu früh verstorbene Mutter, die ihn von seinem Vater weggenommen hatte, einem kalten, beziehungsarmen Mann, der nach dem Tod der geschiedenen Gattin, als man den Sohn ins Waisenhaus brachte, aus der Stadt zog und sich nicht mehr sehen ließ.

Kurz vor der Scheidung war Mutter noch aus der Kirche ausgetreten; Herr Krebs vermutete, um den Vater zu ärgern, der für einen Verein der Pfarrei die Buchhaltung führte. Auf dem Gemälde an der Kanzleiwand schien diese Beziehung festgehalten. Das Bild war eigentlich schlecht geeignet für eine Gerichtskanzlei; der längst verstorbene frühere Präsident, Dr. Wolfers Kunst liebender Vorgänger, hatte es ausgesucht.

Wolfer das Amt antrat, blieb das Gemälde, entgegen den Befürchtungen von Herrn Krebs, hängen, wahrscheinlich weil es, im Gegensatz zu den Gerichtswitzen des früheren Kanzlisten, von einer offiziellen staatlichen Institution, dem Kunstkredit, geliehen war. Herr Krebs war aber sicher, dass Dr. Wolfer der Sinn für die dargestellten Zärtlichkeiten abging; er hielt ihn für einen unsensiblen, oberflächlichen Mann, der auf äussere Machtentfaltung bedacht war.

Herr Krebs wusste nicht, wie lange er sinnierend am Pult gesessen hatte, als er Lärm hinter der Kanzleitür hörte, aufgeregte Stimmen, ein wüstes Gepolter; fast gleichzeitig stürzten Uniformierte herein, Herr Binggeli und Herr Furrer, Polizeibeamte, die manchmal Wo werden Richter Schuhe hergestellt? zu den Gerichtsverhandlungen geleiteten.

Im Türrahmen sah er nun auch Dr. Germann, den zweiten Staatsanwalt, dahinter, wie versteckt im Dunkel des Ganges, Frau Wolfer. Dabei entglitt ihr ein Schuh, den nun Herr Krebs, zu Boden gefallen und halb knieend aufgerichtet, wie eine Monstranz umklammerte. Die Dame seiner Träume hatte sich von ihm abgewandt, während der von seiner Gattin umarmte Dr. Wolfer, der Präsident, ihn keines Blickes würdigte. Da er nur mit einer dünnen, hohen, leisen und immer ein wenig belegten Stimme ausgestattet war, fehlte dem Vater die natürliche Möglichkeit zu kräftigen rhetorischen Auftritten.

In freien Diskussionen rang er manchmal nach Atem und passenden Formulierungen. Er schob Verlegenheitsworte ein, um Pausen zu füllen, wiederholte oft dieselben Worte, was auf einen beschränkten Wortschatz oder jedenfalls auf eine langsame, etwas schwerfällige Denkweise schliessen liess, die in Gefühlen zu schweben schien.

Oft versuchte der Vater mangelnden Scharfsinn hinter zynischen Bemerkungen zu verstecken, oder er hüllte sich in Schweigen, das arrogant, verlegen oder geheimnisvoll erschien, je nachdem, welchen Gesichtsausdruck er gerade zur Schau trug. Früher, als er noch jünger gewesen sei, habe er lebhafter und phantasievoller sprechen können, hatte die Mutter einmal behauptet. Nach verschiedenen Schicksalsschlägen und auch, weil er seine Kräfte unnötig verpufft habe, sei er inzwischen beinahe verstummt, aus Enttäuschung; seine Lebenslust sei dahin.

Je älter Urs wurde und je Wo werden Richter Schuhe hergestellt? er über diesen Vater nachdachte, desto mehr erstaunte ihn dessen frühere Aktivität. Inzwischen war er ein alter Mensch geworden und längst pensioniert; seine einstigen Bekannten waren gestorben oder hatten ihn fallengelassen, und in den Jahren vor seiner Pensionierung hatte er ein ziemlich unbeachtetes und abgestandenes Dasein in einem Büro verbracht.

Als Rentner lebte er nun zurückgezogen im ramponierten Haus seiner Frau, die, so glaubte Urs über seine Mutter zu wissen, den Schein ehelicher Eintracht zu wahren trachtete, den Vater aber nicht wirklich liebte. Für Urs hatte der Vater eine sozusagen grossmütterliche Ausstrahlung; er verkörperte für ihn keine männliche Kraft. Vielleicht lag das auch daran, dass die Mutter im Familienkreis früher einmal spasseshalber erwähnt hatte, der Vater sei gar kein Mann, sondern eine getarnte Frau.

Die Erinnerung daran hatte Urs später verwirrt; manchmal wünschte er, die Ehe der Eltern wäre geschieden geworden. Trotzdem hatte er seiner Freundin mit dem Bekenntnis erschreckt, er könne sich nicht vorstellen, dass seine Eltern stürben; da würde er sich zu verlassen vorkommen.

Der sanften, leicht beschwipsten, aber auch klagenden Stimme ihres Geliebten hatte die Freundin unzählige Male am Telefonhörer gelauscht. Sie hatte sich nicht satthören Wo werden Richter Schuhe hergestellt?. Dort gab er vor, sich seinen Studien zu widmen; in Wirklichkeit lag er verloren auf seinem Bett und hörte Musik, stundenlang Mozart, Thelonious Monk, Miles Davis oder den kräftigen Gesang einer schwarzen Bluessängerin.

Doch eines Abends ereignete sich etwas Ungewohntes. Nach einem unerträglich schwülen Sommertag durchbrauste ein herbstlicher Sturm die Stadt. Als die Freundin telefonierte, erschauderte sie: Urs hatte die vertraute Tonbandstimme ersetzt.

Die neue Stimme hörte sich erschreckend abweisend an, unerbittlich streng zu streng für den zarten, klagenden Jünglinggleichzeitig tieftraurig, hoffnungslos düster. Und sie verschwamm in den Anfangsklängen zu Mozarts Requiem, die statt des Piepstons ertönten. Die Freundin erkannte die Aufnahme: Wie oft schon hatte sie diesem himmlischen Trauerkonzert innerlich bebend gelauscht! Nun glaubte sie Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Fistelstimme von Urs' Vater zu vernehmen, der irgend etwas Weinerliches zu äussern schien vielleicht beschwerte er sich darüber, dass sich der Abschluss von Urs' Studium immer noch nicht abzeichnete? Hierauf durchdrang ein Schrei das Requiem. Sie hatte Urs in der Universität aufgespürt. Zwischen den anderen Studenten, die entschlossen den Hörsälen zustrebten, entdeckte sie einen aparten Jüngling, dessen Sensibilität sie ergriff. Aber seine verletzte Seele war versponnen mit den unglücklichen Seelen seiner Eltern; woher sollte sie, die Freundin, die Kraft nehmen, sie zu erlösen?

Das Rätsel Ottokar von Felix Feigenwinter Früher, als Ottokar noch Meerschweinchenzucht betrieben hatte im elterlichen Garten: die Tierchen, in der Kleinkinderschule gegen Vaters Militärmesser eingetauscht, im Komposthaufen sich königlich vermehrten, in Einerkolonne an Löwenzahn vorbei den väterlichen Salatbeeten zustrebten, wo sie für Stunden weidend verweilten, hatte er Vater wie Mutter an den Rand der Verzweiflung getrieben mit seinem Wunsch, Sträfling zu werden, was der Vater, Steuerbeamter in der siebzehnten Besoldungsklasse, empörend fand.

Eine Beamtenlaufbahn war Ottokar als trüber Lebensinhalt erschienen, vorzeitige Pensionierung, Einteilung in höhere Besoldungsklassen: die häufigsten Gesprächsthemen am Familientisch, ausweglose Aussichten. In Sträflingen hingegen mussten ungeahnte Möglichkeiten schlummern: Sie lösten Furcht aus! Die Mutter hatte den Umgang mit ihnen verboten, wenn sie nach getaner Arbeit unter der Aufsicht eines blaubehosten Wärters sich stärkten in der Nähe des elterlichen Hauses; sie hegten Fluchtgedanken, hofften auf Erlösung, kämpften für Freiheit, dachte Ottokar.

Ein kämpfender Beamter hingegen war absurd, ebenso Vater auf der Flucht. Der marschierte nur immer aufs Steueramt mit seiner kargen Miene, gehorsam um halb acht und mittags um halb zwei, trug keine Fluchtgedanken mit sich herum, überhaupt keine Gedanken vielleicht, ewig dasselbe trostlose Gesicht vielmehr. Manchmal begleitete ihn Ottokar auf halbem Weg, stumm, denn Vater war ein wortkarger Mann; ein tapferer, hatte die Grossmutter gesagt. Als einmal müder Nebel über die Wiesen kroch, zog Ottokar einen Leiterwagen neben Vater her, setzte sich darein auf abfallender Strasse: glaubte, Vater würde hinten halten; sah sich um: suchte vergeblich nach Vater, der hatte eine Abkürzung eingeschlagen, schweigsam einen Fussweg betreten, hatte nicht gemerkt, dass Ottokar gegen eine verkehrsreiche Strasse raste, Trams und Autos vorbeiflitzten.

Ottokar sah mit zunehmender Deutlichkeit, dass er in wenigen Augenblicken krachend den Verkehrsstrom unterbrechen würde einbiegen, sich eingliedern war unmöglich bei der Geschwindigkeit, den Leiterwagen würde es überschlagen in der Kurve. Ottokar griff an die Hinterräder, spritzte Hautfetzen an die scheuernden Speichen und Fingerblut, steuerte auf den Gehsteig zu.

Der Wagen schmetterte gegen eine Verkehrsstange, der Kleinkinderkörper auf den Asphalt; die Gefahr indessen war gebannt, wenige Meter vor der Einbiegung unterbrochen die drohende Fahrt. Der Vater stand ärgerlich unten, sagte, wo bleibst du so lange nur, schalt wegen der zerschlissenen Hose. Des kleinen Ottokars Sträflinge aber erschienen frühmorgens Sensen wetzend auf Herrn Peters Wiesen: weckten Grashalme niederratschend späte Schläfer, fällten Mattenstücke in der zunehmenden Sonnensenge, scheuchten Schmetterlinge auf und Heuschrecken, schlugen Grillen zur Flucht, tranken kühlenden Most unter wehendem Laub und verschwanden aus der brodelnden Sommerglut in ihrem beschatteten Kantonsgefängnis, weite Graswüsten hinterlassend auf den Parzellen Herrn Peters, dem eine Zementfabrik gehörte, eine ausgedehnte Gärtnerei überdies, die ewige Frühmorgenstimmung ausbreitete mit ihren gläsernen Treibhäusern, ein umfangreicher Sportplatz sodann, worauf Glieder eines städtischen Turnvereins geduldet wurden an bestimmten Wochenabenden, im übrigen jedoch Herr Peter persönlich Stabhochsprung übte.

Wenn Dieti, Herrn Peters Sohn, mit spitzem Stab heraustrat in die Dämmerung, bog Herr Peter selbst bald in schwarzem Trikot aus dem Gartentor, unternahm Laufen an Ort mit anschließendem Blitzstart und Spurt über kurze Distanz als vorbereitende Maßnahme, ergriff den Stab vor den ehrfürchtigen Zuschauern: Beamten und Arbeitern aus dem Quartier, setzte mehrmals zum Sprung an, bevor er den zierlichen Körper endgültig hinaufschwang in die laue Abendluft, riss, wie immer, die Latte in die sandige Tiefe, entschwand der dankbar applaudierenden Menge mit federndem Schritt und stolz erhobenen Hauptes.

Ottokar hatte die unvermögenden Schritte stets als peinlich empfunden, Hohngelächter befürchtet - das hätte sich schlimm ausgewirkt angesichts Herrn Peters göttlicher Stellung im Quartier! Doch die Leute fanden lobende und bewundernde Worte, die Sprünge trotz der sirrend stürzenden Latte beachtlich für sein Alter. Bezeichnend war Herrn Peters Jagdhund sodann: Flippimänni, ein krummbeiniger Dackel mit spitzbübischem Aussehen, der hin Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

wieder in Ottokars Garten sich verirrte, an einem Meerschweinchen sich vergriff, hauptsächlich aber Herrn Peters Weidenstauden am Bachufer überwachte, einen Frevler aufspürte eines Sonntagmorgens, einen Insassen des städtischen Altersheimes, den Dieti, Herrn Peters Sohn, aus dem Quartier verjagte, ihm weitere Aufenthalte in der Gegend verunmöglichte: Kleinkinderschüler auf ihn hetzte, die im Chor Weidenstehler Weidenstehler brüllten.

Herr Peter jagte auch Ratten, die am Bachufer nisteten, verstand sich aber schlecht aufs Schiessen: oft entwischten die Tiere unversehrt oder mit Streifschüssen im Geäst, selten nur klatschten sie getroffen ins Wasser und hüllten sich in dumpfe Wolken.

Später verschwanden die mähenden Sträflinge von den Wiesen, sie übten sich im Korbflechten, und Ottokars frühe Zukunftspläne zerschlugen sich angesichts neuer, verwirrender Ereignisse. Die Strafklasse nahm Ottokar gern in Kauf, auch die schlechte Note im Latein, nur den Vater bemitleidete er, der fand es beschämend, und die Mutter, die weinte, grundlos, denn sechs Jahre später bestand Ottokar eine glänzende Matura: rechtfertigte, desavouierte.

Nachträglich erschien Ottokar die Flucht ohnehin begründet, durchaus notwendig, vernünftig auch, der Münsterturm der naheliegendste Ausweg aus dem Dilemma: thronte der doch gerade neben dem Schulgebäude; Ottokar trieb es einfach hinauf; er schaffte damit Demütigungen, lästige Erklärungen aus dem Weg: er hatte nichts gelernt, keine Verben, keine Deklinationen repetiert, geschweige denn Konjugationen, hatte in der Zehn-Uhr-Pause erst erfahren vom drohenden Unheil; der Lateinlehrer Fides musste die Schriftliche schon vor vier Tagen angekündigt haben.

Ottokar sah den roten Sandstein glimmen in der Morgensonne, lauerte auf die passende Gelegenheit: eine Unaufmerksamkeit des beaufsichtigenden Lehrers, der hatte auch nur zwei Augen; im günstigen Augenblick fixierten sie einen erhitzten Bubenknäuel. Da hieß es einschreiten: energisch, autoritär, die alten Griechen und Römer Wo werden Richter Schuhe hergestellt? auch gekämpft, liessen aber Manneszucht walten, achteten edle Beweggründe, jene Rauferei entbehrte humanistischer Grundsätze, nahm Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Formen an: entehrte den würdigen Schulhof. Ottokar wusste das zu nutzen, entwich feixend durch das Tor, stieg in den mächtigen Turm ein, erkletterte den muffigen Schacht auf knarrenden Holztreppen, die befreiende Höhe auf Sandsteinstufen: ausgetretenen, verwitterten, war Herr über die Situation jetzt, konnte dem Polizeiwachtmeister, der dort untern untätig herumstand, ungesehen auf den Helm spucken beispielsweise, sogar pinkeln, wenn er wollte, sah auf dem entfernten Marktplatz Hausfrauen Kohlköpfe aussuchen, die grünen Schürzen der Marktfrauen blinkten in der Sonne, schweifte über Hinterhöfe und Hausdachspitzen, beobachtete Sekretärinnen, die klatschten statt schrieben, Süssigkeiten verzehrten zwischen den Diktaten.

Er stand mit dem lieben Gott auf du und du, lenkte sein allmächtiges Auge steil hinunter, zum Fenster seines Klassenzimmers: dort sah er den Lateinlehrer Fides zwischen den Bänken amten, humanistische Blicke um sich werfen, bemerkte einen Schüler, sein Vordermann sonst, unter die Bank schielen, wo das Lateinbuch offen dalag: Fides konnte es nicht entgangen sein, sonst war er dumm; er unternahm aber nichts, der war eben Primus, sah erneut unter die Bank: ungestraft!

Fides hatte einen gnädigen Tag offenbar, war freundlich gesinnt, trotz der Schriftlichen. Noch stand die Rekrutenschule bevor, viele Wochen Ertüchtigungsübungen im Kantonnement, auf dem Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

und im Gelände, im Wald Wo werden Richter Schuhe hergestellt? auf der Wiese - das formt dich zu einem richtigen Mann, hatte der Vater gesagt, zu einem richtigen Mann! Ottokar war wild entschlossen, hörte gut auf seinen Korporal und seine Offiziere - er hörte sie vom Feind sprechen nein, brüllen!

Doch das war jetzt vorbei, da war er noch ein Kind gewesen; jetzt wurde aus ihm ein Mann, ein richtiger Mann. Der Oberleutnant stand vor ihm, er hatte Züge von seinem Vater, nur war er forscher, Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

auch viel jünger, ein dynamischer junger Mann, das konnte man wohl behaupten. Der Oberleutnant schrie ihn an, ihn, dem Sanftmut oberstes Gesetz war; ihn, dessen wackere Meerschweinchen in seinem Garten geweidet hatten. An einem kühlen Frühlingsmorgen hatte er sein weißes Fell gefunden, auf einem Kiesweg des Gartens, mit einer dünnen Blutspur am Kopf.

Ein Marder hatte es sauber ausgehöhlt. Diese Raubtiere waren oft des Nachts im Garten zu Besuch. Immer wenn Ottokar ein gellendes Pfeifen vernahm, das die nächtliche Stille durchschnitt, in sein Schlafzimmer drang, wusste er: am Morgen würde wieder eines seiner Lieblinge fehlen.

Ihr Helm sitzt ja verkehrt auf Ihrem Kopf! Das gibt es doch nicht! Geschirren Sie sich anständig an! Zehnmal Liegestütz, hopp, los, eins-zwei. Wart, ich will Ihnen schon Beine machen. Und als das Gerichtsurteil ausgesprochen war: Lebenslänglich, da verklärte sich Ottokars Gesicht. Mit einem Lächeln, das tiefste Befriedigung auszudrücken schien, verließ er den Gerichtssaal. Wie kann einer ein senkrechter Eidgenosse sein, wenn er sich schon nach zwei, drei Tagen Aufenthalts in den Bergen von einem Sauerstoffkollaps bedroht fühlt?

Ist einer ein hundertprozentiger Schweizer, wenn es ihm elend und schwindlig wird, er wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft zu schnappen beginnt, sobald er die hehre Alpenwelt betritt?

Ein solcher Mensch sitzt neben Ihnen; ich bin ein Mann, der das Leben im Gebirge schlecht verträgt! Zum Glück wohne ich in der Tiefe, unten in Basel, am Dreiländereck am Rheinknie. Nun vereinbaren sie in ihrer Ueberraschung, gemeinsam zu essen. Sie setzen sich draussen vor ein kleines Spezialitätenrestaurant, bestellen Fisch und Bier.

Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Deutsche erklärt, sie spüre eine furchtbare Deutschenfeindlichkeit vieler Holländer, was Jahrzehnte nach dem Kriegsende doch kaum mehr verständlich sei. Später stösst der inzwischen vielleicht schon ein wenig betrunkene Schweizer sein Bierglas derart heftig an jenes der Deutschen, dass das Glas der Dame in Brüche geht. Am nächsten Tag - es ist nun später Morgen, das üppige Frühstück im Dreisternhotel hat er massvoll genossen - sitzt der Schweizer, der auch Schweizer heisst, Köbi Schweizer, keine fünfzig Meter über Meer in einem Buchenwäldchen allein auf einer grünen Bank und staunt auf ein offenbar stilles braunes Gewässer, das sich bei günstigem Lichteinfall in einen glasklaren Spiegel verwandelt, wo sich die Baumkronen unter dem hellen Himmelblau erstaunlich deutlich spiegeln.

Dass das stille, dunkle, von Zeit zu Zeit heiter aufleuchtende Gewässer nicht tot ist, wie es zuerst den Anschein erweckte, beweisen dem Feriengast ein Schwarm kleiner, dunkler Fische - sie erinnern ihn an Kaulquappen, so winzig sind sie -die knapp unter der Wasseroberfläche herumtanzen. Die Spiele des Lichts und der von Zeit zu Zeit durchs Buchenwäldchen huschende Wind sorgen für die Belebung des nicht fliessenden Kanals.

Herr Schweizer erhebt sich von der grünen Bank, schwingt sich aufs gemietete Fahrrad, das er auf den sandigen Waldboden gestellt hatte, und fährt aus dem Buchenwäldchen, in dem auch einige wenige knorrige Eichen stehen.

Ein Radfahrerweg führt entlang einer Autostrasse durch die von Nadelholz gesäumten Dünen hinunter zum Meer. Den ganzen Nachmittag verbringt der Mann nun am Strand, wo er in einem Strandkorb döst, ein wenig dem Meer entlang spaziert, sich später auf ein mitgenommenes Badetuch legt, die weissen, meergrauen und sandbraunen kleinen und grossen Möven beobachtet, die durch den Sand stelzen und wie Hühner nach Futter picken, und schliesslich in einem der Strandpavillons mit Zwiebeln und Gurkenscheiben garnierte Matjiesheringe isst.

Gegen Abend wandert er barfuss dem Meer entlang, den unaufhörlichen Rhythmus des Wellenrauschens im Ohr; den Wind, der die brühende Sonnenhitze zerpflügt, empfindet Herr Schweizer als zärtliche Liebkosung auf seiner Haut. Irgendwann kehrt er um, um seine Sachen im Strandkorb und das in der Nähe des Meers abgestellte Mietvelo sicherzustellen; staunend erlebt er, wie der glitzernde und funkelnde Schleier, den das Sonnenlicht übers Meer geworfen hatte, zu einem schmalen, leuchtenden Teppich zusammengezogen wird, der sich bald zu einer flimmernden Sonnentreppe verwandelt, die schliesslich ganz verschwindet.

Die Sonne errötet zusehends, wird zu einem orangenen Lampion; dann beginnt sie, am Horizont zu versinken. Der Himmel verfärbt sich rosa und lila, dunkelt ein, die am Strand sich tummelnden Menschen, Hunde und Pferde erscheinen als scharfe, dunkle Silhouetten vor dem schon matter leuchtenden, aber immer noch hellen Meer - Schattenrisse, die ein uraltes Naturschauspiel feiern.

Am Himmel übernimmt der vorher fast unscheinbare, weil blasse Mond die Ablösung: er beginnt sich zu verfärben, erregt mit warmem Gelb neue Aufmerksamkeit. Die Flut hat die Ebbe abgelöst. Am darauffolgenden Tag schreibt Herr Schweizer nach dem Frühstück im Hotel seinen zu Hause gebliebenen Arbeitskolleginnen und -kollegen.

Ich hoffe, es reicht für mich aus, das Büroleben in der Schweiz für ein weiteres Jahr durchzustehen. Frohen Sinnes denkt er, über genügend Ferientage zu verfügen, um den Sonnenuntergang am Meer noch mehrere Male zu erleben.

Doch am nächsten Morgen ist der Himmel bedeckt; ein diesiger Nebel hängt über dem Strand, zu dem Herr Schweizer gleich nach Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Frühstück radelt. Trotzdem bleibt er am Meer, watet stundenlang durch den Sand, hofft, die Sonne würde sich im Verlauf des Nachmittags doch noch zeigen. Statt dessen hebt ein Sturm an, der, je näher der Abend kommt, heftiger wird und zu einem Orkan anschwillt.

Herr Schweizer rettet sich zitternd vor Nässe und Kälte in einen gedeckten Strandpavillon, von wo aus er das Unwetter verfolgt, entsetzt aufs tobende Meer starrt, dessen Sanftheit von vorgestern für alle Zeiten weggepustet scheint. Er bestellt eine Hühnersuppe, um Seele und Körper aufzuwärmen. Sie erleben den wahren Charakter unserer Nordsee! Er wendet sich um und sieht am Tisch hinter sich eine Frau sitzen, die - halluziniert er?

Er weicht der Wo werden Richter Schuhe hergestellt? aus, wendet sich wieder seiner Suppe zu, die er hastig auslöffelt. Hierauf eilt er zur Theke und bittet die Holländerin, ein Taxi zu bestellen, das ihn und sein gemietetes Fahrrad zum Hotel zurückfahren soll.

Tags darauf - der schreckliche Sturm hat sich gelegt, aber am Himmel türmen sich düstere Wolken, und der Wind pfeift vom Meer her warnend übers platte Land - reist der Schweizer früher als geplant in sein geordnetes Binnenland zurück. Auf den Gräsern, die im Wind tanzten, glänzte der Schein der hohen Sonne; der See im Hintergrund war ein glitzernder hellblauer Spiegel, an dessen Rändern Nadelbäume violette Schatten warfen. Ringsum strotzten in milden Dunst gehüllte Bergriesen; auf den höchsten Gipfeln schimmerte es schneeweiss.

Das Bild war Eva vertraut. Jeden Sommer, in den Juliwochen, aber auch während der winterlichen Hauptsaison, tritt sie in der eleganten Bar des grossen Hotels auf, das sich wie eine feudale Festung über dem Feriendorf erhebt. Dort greift sie in die Tasten es ist für sie Ehrensache, mit nie erlahmender Begeisterung sorgfältig, aber auch brillant und immerzu kreativ zu spielen, nicht einfach zu klimpern wie so viele ihrer routinierten und resignierten Berufskollegen, die als Barpianisten keinen künstlerischen Ehrgeiz mehr zu entwickeln schienenund manchmal, wenn ihr das Publikum dafür empfänglich scheint, begleitet sie ihre Klaviermusik mit leidenschaftlichem Gesang.

Eva Meier tritt als Eva Schmetterling auf, ein Künstlername, der ihr im Traum zugefallen war, als sie noch nicht als Barpianistin durchs Land zog, sondern als Studentin Ambitionen als Konzertpianistin hatte. Während Eva nun ihre Nachmittagspause da draussen auf einem Bänklein verbrachte und das ihr vertraute Bild der Berglandschaft in sich einsog, begann ihre musikschwangere Seele zu jauchzen und hinauszuschwirren in die leichte, reine Alpenluft; rhythmisch und melodisch flatterte sie über die Wiese Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

Blüte zu Blüte, und es erstaunte sie, dass sie weit und breit der einzige Sommervogel war. Dieser Frühankömmling, ein älterer Herr, sass an der Bar vor einer Spirituose; ein eigentlich unscheinbarer, graumelierter, schmaler Mann, der nun mit feingliederigen Fingern das Glas ergriff, um das Getränk vorsichtig zu schwenken; dabei musterte er Eva durch beschlagene Brillengläser und erwiderte ihren Gruss mit einem undeutlichen Kopfnicken.

Eva setzte sich an den glänzenden Flügel und begann mit ihrem Abendprogramm. Allmählich füllte sich der Raum mit verschiedenen Leuten, Hotelgästen aus aller Welt, aber auch einheimischen Dorfbewohnern und einigen Menschen aus den umliegenden Ferienwohnungen. Es war Freitag, und der Andrang war dichter als an gewöhnlichen Abenden Eva bevorzugte die stilleren, beschaulicheren Stunden ; im Hotel tagte ein akademischer Kongress, und später belagerte auch eine Gruppe von übermütigen jungen Leuten Evas Piano, Teilnehmer eines Weiterbildungskurses, der im Ferienort stattfand.

Die jungen Gäste äusserten Musikwünsche, verlangten Stücke, die nicht alle zu Evas Repertoire gehörten, und ein betagter Rentner, ein reicher Witwer, wie Eva vermutete, überhäufte sie mit Komplimenten, spendete ihr teure Getränke und konfrontierte sie gar mit einem vielleicht ernst gemeinten Heiratsantrag, den sie charmant zurückwies. Kurz darauf erlitt dieser Greis einen Schlaganfall und musste von einer Ambulanz wegtransportiert werden.

Am Abend danach erfuhr Eva vom Hotelarzt, dass der Kavalier noch in der gleichen Nacht verstorben sei. Die von den Gästen verursachten Geräusche, das Stimmengewirr, viel Gelächter, auch das Klirren und Klappern von Gläsern, Essgeschirr und Besteck, übertönten bisweilen Evas Musik und Gesang.

In all Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Trubel verlor sie den ersten Gast des Abends, den schmalen, bebrillten älteren Herrn mit seinem Spirituosenglas, keineswegs aus ihrem Blick. Zwar hätte sie nicht beurteilen können, welche und wie viele Getränke dieser Einzelgänger im Verlauf des langen Abends bestellt und geschlürft haben Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, doch je länger sie ihn von ihrem Klaviersessel aus beobachtete, desto sicherer war sie, dass sie ihm vor vielen Jahren als Studentin schon einmal begegnet war, ihn bewundert, sogar verehrt hatte.

Eva erinnerte sich an einen eifrigen jungen Mann mit Künstlermähne, mit dem sie damals das Kunstmuseum ihrer Heimatstadt durchwandert hatte, wo er sie mit gescheiten kunsthistorischen Erklärungen beeindruckte. In jener Zeit arbeitete er an einem Text, den sie für ihn ins Reine tippte, Wo werden Richter Schuhe hergestellt? Idealismus, aus Begeisterung, aus Respekt vor Wo werden Richter Schuhe hergestellt?

jungen Mann mit der Künstlermähne, und aus Ergriffenheit über die Bilder einer hochbegabten Malerin, einer ihr bisher unbekannten einheimischen Künstlerin, deren Werke Peter Schällimatt, so hiess der junge Kunsthistoriker, in einer Galerie entdeckt hatte und nun mit scharfsinnigen Ueberlegungen analysierte. Eva hatte sich für die Malerin interessiert, wollte sie persönlich kennenlernen, was sie Schällimatt anvertraute, sie bat ihn um Vermittlung; der war der Künstlerin an einer Vernissage persönlich begegnet, hatte sie später in ihrem Atelier besucht, wie er Eva erzählte, um möglichst viele ihrer Gemälde für seinen Text zu inspizieren.

Schällimatt reagierte auf Evas Anliegen unerwartet arrogant und autoritär: die Person und das Leben eines Künstlers seien unwichtig, belehrte er sie schroff, die Biografie lenke vom Wesentlichen ab — von der Kunst, um die es letztlich gehe; er sehe nicht ein, warum sie diese Malerin persönlich kennenlernen wolle, das sei unnötig.

Eva war zutiefst enttäuscht und verletzt; ihre Beziehung zu Schällimatt war unrettbar zerbrochen. Schällimatt schien dies nicht zu stören; er suchte keine Verständigung, kümmerte sich nicht mehr um Wo werden Richter Schuhe hergestellt?, verfolgte unbeeinträchtigt seine ehrgeizigen Ziele. Der ältliche Herr, der einen Abend lang an der Bar sass und Evas Klavierspiel und Gesang zu lauschen schien, war Peter Schällimatt, davon war Eva mittlerweile überzeugt, obwohl das einst Charakteristische an seiner äusseren Erscheinung, die verwegene Künstlermähne, weggeschnitten war; der Mann sah nun banaler aus, fand sie; sein Kopf schien geschrumpft; aber die Gesichtszüge waren ihr vertraut.

Während einer Pause begab sich Eva zur Bar und sprach den Wo werden Richter Schuhe hergestellt? übermütig plaudernden jüngeren Gästen in sich versunken dasitzenden Einzelgänger an.

Hier trete ich als Eva Schmetterling auf, mein Pseudonym. Eva erinnerte ihn daran, wie er sich damals geweigert hatte, sie mit der Malerin in Kontakt zu bringen — weil angeblich die Person und das Leben der Künstlerin nicht wichtig seien, von der Kunst nur ablenkten.

Sie hat sich das Leben genommen. Ich habe es erst kürzlich erfahren, weil man mich anfragte, ob ich an einer Gedenkausstellung reden könne. Am nächsten Tag entdeckte sie im Foyer des Hotels ein Plakat. Mit wachsender Verblüffung las sie: Votrag von Professor Peter Schällimatt. Nationalsozialistisches Kunstverständnis hinsichtlich der Biografie von Adolf Hitler und dessen Scheitern als Kunstmaler. Professor Schällimatt signiert sein soeben erschienenes neues Buch zu diesem spektakulären Thema.

Eva überlegte: Wie war Schällimatts Interesse für das Leben von Adolf Hitler zu erklären, für dessen Scheitern als Kunstmaler — angesichts seiner Ignoranz gegenüber dem Schicksal einer Malerin, deren Bilder er einst analysierte, unabhängig von der Künstlerin und deren Biografie, die er missachtete?

War es ganz banal die Aussicht auf hohe Auflagezahlen für ein Buch über eine weltbekannte historische Schreckensgestalt? Dagegen bot die tragische Nischenexistenz einer Malerin, deren Bilder ihm willkommenes Material für eine kleine kunstwissenschaftliche Textübung lieferten, keine Garantie für eine erfolgreiche Vermarktung und Förderung seiner Reputation als etablierter Publizist.

Gegen Abend jenes Tages setzte sich Eva wieder auf die Bank des örtlichen Verkehrsvereins mit Blick auf die Sommerwiese und den See im Hintergrund. Während sie sinnierte, näherten sich ihr auf dem schmalen Spazierweg, der an der Bank vorbeiführte, Peter Schällimatt und eine Dame, wohl die Gattin des Professors, die diesem vielleicht nachgereist war, um dessen Vortrag über das nationalsozialistische Kunstverständnis beizuwohnen.

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